Interim Management : Gekommen, um zu gehen

Kompetent, praxisorientiert und sofort verfügbar: Interim Manager sind als Führungskräfte auf Zeit für den Mittelstand bezahlbar.

Jürgen Hoffmann
Immer auf Achse. Interim Manager sind im Schnitt 160 Tage im Jahr im Einsatz. Sie übernehmen ein Projekt, realisieren es und verlassen die Firma wieder. Dafür streichen sie etwa 1000 Euro ein – pro Tag.
Immer auf Achse. Interim Manager sind im Schnitt 160 Tage im Jahr im Einsatz. Sie übernehmen ein Projekt, realisieren es und...Foto: imago/Westend61

Beim Onlinehändler Zalando brannte es: In der Personalabteilung war im September 2013 plötzlich der Posten des Leiters Human Resources vakant. Im Unternehmen gab es keinen geeigneten Kandidaten. Als „Feuerwehrmann“ holte der Berliner Mittelständler Martin Reckel an Bord. Der 49-Jährige ist Interim Manager. Er übernahm das Ruder, strukturierte die Abteilung neu, ließ liegen gebliebene Mitarbeiteranfragen abarbeiten, setzte die SAP-Einführung fort und steuerte das notwendige Change Management.

„Ich habe es geschafft, den Brand zu löschen“, resümiert der Personalexperte. Als Zalando einen neuen Personalchef gefunden hatte, der bereit war, einen Festvertrag zu unterschreiben, verließ Reckel im März 2014 das Unternehmen wieder.

Sie kommen, um zu gehen. Interim Manager sind Führungskräfte auf Zeit. Sie übernehmen ein Projekt, realisieren es und verlassen die Firma wieder. Immer mehr Mittelständler nutzen solche Spitzenleute für vier, acht, zwölf Monate oder länger, beispielsweise um eine Restrukturierung durchzuführen oder einen übernommenen Betrieb zu integrieren. Am häufigsten setzten Mittelständler der Branchen Technologie, Energie, Industrie und Automotive Interim Manager ein.

Laut Thorsten Becker vom Interim Provider Management Angels, der seit 15 Jahren am Markt agiert, seien gerade international tätige Firmen offen für Manager auf Zeit: „Diese Betriebe fordern seit Beginn der Wirtschaftskrise 2009 häufiger Finanz- und Finanzierungsfachleute an als früher.“

Keine Sozialkosten, keine Abfindungen

Nach Angaben des Arbeitskreises Interim Management Provider tummeln sich in Deutschland mehr als 14 000 freiberufliche Top-Kräfte, die nur zeitlich begrenzt arbeiten wollen. Diese „Zeitarbeiter im Nadelstreifen“ sind laut der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management im Schnitt 160 Tage im Jahr im Einsatz. Bezahlt werden sie nach Tagessätzen – durchschnittlich 1 000 Euro – belasten das Unternehmen aber weder mit Sozialkosten noch mit Abfindungen.

„Ein Interim Manager muss nicht eingearbeitet werden, ist sofort einsatzbereit“, nennt Thomas Till vom Münchner Provider Till & Faber, der auf die Besetzung von Finanzpositionen durch Interim Manager spezialisiert ist, einen weiteren Vorteil. „Mittelständler melden sich entweder mit einer Vakanz oder einer ganz konkreten Aufgabe, für die schnell ein Experte gebraucht wird, zum Beispiel für die Einführung eines neuen Rechnungswesens.“

Neben fachlicher Kompetenz brauche eine Führungskraft auf Zeit eine gereifte Persönlichkeit, Fingerspitzengefühl, Führungsfähigkeiten und schnelle Auffassungsgabe, sagt Interim Manager Reckel.

Türöffner bei Auslandsgeschäften

Auch Andreas Pahl (52), Interim Geschäftsführer aus Bad Kreuznach, unterstreicht die Fähigkeit, unverzüglich mit der Umsetzung von Maßnahmen beginnen zu können: „Wir springen oft aus dem Stand.“ Er könne das, weil er als Geschäftsführer viel Erfahrung gesammelt habe. Pahl wird von Mittelständlern und Beteiligungsgesellschaften meistens gerufen, wenn sie sich in Schwierigkeiten befinden. Häufig gehe es den Firmen darum, Kosten zu senken und gleichzeitig Weichen für die Zukunft zu stellen

„Als Außenstehender sehe ich einfach mehr. Ein Interim Manager ist nicht schreibtischblind“, sagt Michael Daub, Interim-Finanzchef aus Aichtal. Mittelständler erwarteten von einem Externen, dass dieser sich intensiv mit ihrer Strategie, ihren Strukturen und Arbeitsabläufen auseinandersetze. Erfahrungen aus früheren Projekten seien gerade bei wichtigen Aufgaben wie dem Beteiligungscontrolling „ein enormer Pluspunkt“, sagt der 53-Jährige.

Besonders häufig setzen Mittelständler Manager auf Zeit ein, wenn sie im Ausland aktiv werden wollen. Mit Führungskräften, die das Land kennen, lassen sich auch Sprachbarrieren und rechtliche Hürden leichter überwinden, so ihre Hoffnung. „Für kleine und mittlere Unternehmen ist ein Interim Manager im Ausland Berater und Türöffner“, bestätigt Thorsten Becker. Außerdem könne ein Mittelständler viel vom Wissen des Begleiters lernen: „Das ist oft ein unbezahlbarer Know-how-Transfer.“

Der Management-Angels-Chef hat deswegen im vergangenen Jahr zusammen mit Providern aus 14 Ländern die WIL Group gegründet. Über diese „Star Alliance“ hat der Provider Zugriff auf rund 30 000 qualifizierte und geprüfte Führungskräfte weltweit zur Verfügung. „Das ist absolut notwendig gewesen“, sagt Martin Reckel und lobt die Idee der „Star Alliance“ der Interim Management Provider. „International agierende Mittelständler können mit diesem Service Spitzenpositionen im Ausland sehr viel schneller besetzen.“

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