Wirtschaft : Internationale Aktienmärkte: Aussicht auf Staatshilfe löst Wende an Tokios Börse aus

An der Börse in Tokio hat der Nikkei-Index am Donnerstag um 2,6 Prozent zugelegt und die Marke von 12 000. überwunden. Zum Handelsende notierte er mit 12 152,83 Punkten. Auch der für Banken maßgebliche Topix legte um 21,82 Punkte oder 1,9 Prozent auf 1183,79 Punkte zu. Ausgerechnet der hochverschuldete japanische Staat erscheint für Tokios Börsianer jetzt offenbar als der letzte Strohhalm. Finanzminister Kiichi Miyazawa löste mit seinem Vorschlag einer Staatsgarantie für einen geplanten privaten Börsenstützungfonds löste eine Kehrtwende an der Börse aus, wie sie der gebeutelte Markt selten gesehen hat. So wurde zm Ende des hektischsten Handelstages, den Tokios Börse in diesem Jahr bisher erlebte, aus einem 400 Punkte-Verlust ein Gewinn von 300 Punkten.

"Grundsätzlich ist es eine schlechte Idee, wenn die Regierung eines Landes mit einer freien Wirtschaft in den Markt eingreift", sagte Kiyoshi Kimura von Tokai Bank der Agentur Kyodo. Aber in einer Lage wie dieser habe der Markt positiv reagiert, da eine internationale Finanzkrise drohe, sollte die japanische Regierung nichts unternehmen. Kimuras Kollege Kazunori Jinnai von Daiwa Securities, stimmte zu: Berichte über den Vorschlag des Finanzministers seien für Tokios Börse, die sich auf "Intensivstation" befunden habe, wie eine Injektion gewesen.

Finanzminister Miyazawa hatte Medienberichten zufolge während der Sitzung eines neuen Krisenstabes der Regierung einen Vorschlag unterbreitet, wonach der Staat öffentliche Gelder für einen vom Kabinett geplanten Privatfonds zur Stützung der Börse einbringen könnte. Nach Plänen der Regierung soll der Fonds aus Beiträgen von Banken und anderen Privatfirmen bestehen und Aktien vom Markt kaufen, um den Druck auf die Börse durch Auflösungen von Überkreuzbeteiligungen zu mindern. Der Fonds ist Teil eines von der Regierung am Freitag geschnürten Konjunktur-Notprogramms.

Mögliche Verluste für den Privatfonds infolge der Aktienaufkäufe könnten nach dem Vorschlag des Finanzministers durch den Staat finanziell gedeckt werden. Es scheine, als wenn diesmal die Regierung handeln würde, sagte Shingo Tadokoro von Daiwa Securities SB Capital der Agentur Bloomberg. Auch Zentralbank-Gouverneur Masaru Hayami trug zu der Wende an der Börse bei. Medienberichten zufolge deutete er die Möglichkeit an, bei der Zentralbank-Sitzung am kommenden Montag die Geldpolitik weiter zu lockern. Hayami habe jedoch offen gelassen, ob die Notenbank wieder zu ihrer "Nullzins-Politik" zurückkehren werde, die sie erst im August aufgegeben hatte.

Hayami steht nicht nur unter wachsendem Druck, die Zinsen weiter zu senken, sondern wird auch für die Entscheidung vom August kritisiert. Er hatte die erste Zinsanhebung seit zehn Jahren mit schwindendem Deflationsdruck begründet. Politiker hatten dies als viel zu verfrüht bezeichnet. Inzwischen hat die Zentralbank bereits zwei Mal die Leitzinsen wieder gesenkt.

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