Wirtschaft : Internationale Aktienmärkte: Wer will ein Zweit-Handy?

Corinna Visser

Verrückte Börsenwelt: Der finnische Handyhersteller Nokia gibt bekannt, dass er weniger umsetzen wird als erwartet - und der Kurs der Nokia-Aktie schießt in die Höhe. Die Börsianer sind entweder sehr bescheiden geworden - oder schauen auf etwas anderes. Es geht nicht mehr so sehr darum, wieviel ein Unternehmen verkaufen kann, sondern darum, was am Ende dabei herauskommt. Nokia wird seinen Gewinn pro Aktie im Vergleich zum Vorjahr konstant halten. In Zeiten, in denen ein Technologiekonzern nach dem anderen eine Gewinnwarnung herausgibt, ist das schon eine frohe Botschaft. Rosig sind die Aussichten auf das Geschäftsjahr deswegen noch lange nicht. Immerhin hoffte die Branche unlängst noch, in diesem Jahr 600 Millionen Handys verkaufen zu können. Jetzt ist nur noch von 450 bis 500 Millionen mobilen Telefonen die Rede. Schritt für Schritt haben die Hersteller ihre Prognosen reduziert. Ob sie Erfolg haben werden und ihre reduzierten Absatzprognosen vielleicht doch übertreffen können, wird davon abhängen, wie viele schöne neue Handys die Hersteller in diesem Jahr herausbringen können. Denn in Europa nähert sich der Markt der Sättigungsgrenze. Das heißt, dass vor allem Menschen, die bereits ein Handy haben, überzeugt werden müssen, das alte durch ein neues zu ersetzen - oder gar ein Zweit-Handy zu kaufen. Auf die USA können die Hersteller nicht setzen. Dort haben zwar erst etwa 40 Prozent der Bevölkerung ein Mobiltelefon, doch bremst die unsichere konjunkturelle Lage die Kauflust der Amerikaner. Weil die Börsianer ihre Erwartungen aber bereits tief heruntergeschraubt haben, sind vielleicht bald ein paar positive Überraschungen drin.

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