Wirtschaft : Internationale Automobil Ausstellung: Hersteller strotzen vor Zuversicht

Rolf Obertreis

Über die Kosten schweigen sich die Autofirmen aus. Aber es sind zweistellige Millionenbeträge, die sich die großen Hersteller wie Daimler-Chrysler, VW, BMW, Ford oder auch General Motors ihren Auftritt auf der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt kosten lassen dürften. In den Augen der Manager ist das Geld gut angelegt. Sie wollen ihre Modelle in ansprechendem Ambiente präsentieren. Und sie können es sich leisten. Die wirtschaftliche Lage der Autohersteller ist bis auf wenige Ausnahmen in Vergleich zu anderen Branchen hervorragend. Die Aussichten für 2002 gelten als rosig. Die Experten der Hypovereinsbank und von Mercer Management Consulting gehen sogar noch weiter: Das Jahrzehnt der Automobilindustrie sei angebrochen, schreiben sie in einer jüngst vorgelegten Studie. Grafik: PKW-Neuzulassungen Solche Prognosen lassen Bernd Gottschalk, den Präsidenten des Verbandes Deutscher Automobilhersteller (VDA), der die IAA organisiert, strahlen. Zwar läuft das Inlandsgeschäft in diesem Jahr nicht ganz so rund. Dafür macht der Export den deutschen Herstellern viel Freude. Jetzt ernten sie die Früchte ihrer Bemühungen der letzten Jahre, kostengünstige Strukturen aufzubauen und innovative Modelle auf den Markt zu bringen. Besonders in den USA sind Fahrzeuge von Mercedes, VW, Audi und BMW so gefragt wie nie zuvor. "Das wirtschaftliche Umfeld für die IAA ist gut", sagt Jürgen Pieper, renommierter Auto-Experte beim Bankhaus Metzler in Frankfurt. "Die Gewinne der deutschen Hersteller - bis auf Daimler - steigen in diesem Jahr um zehn bis 20 Prozent, sie haben ein solides Umsatzwachstum und auch die Zahl der Arbeitsplätze hat weiter zugenommen."

57 Welt-Neuheiten und damit so viel wie nie zuvor werden auf der 59. IAA präsentiert, die am 13. September ihre Pforten öffnet. Dabei stehen Kleinwagen im Vordergrund, wie bei VW der neue Polo, bei Ford die Neuauflage des Fiesta und bei Citroën der C3, der angeblich Nachfolger der legendären Ente werden soll. "Das sind wichtige Volumenmodelle, die dem Markt Impulse geben", glaubt Pieper. Solche Effekte werden sich durch den neuen 7er BMW oder den Mercedes SL naturgemäß in Grenzen halten. Der psychologische Effekt ist allerdings nicht zu unterschätzen: Die generelle Auto-Begeisterung dürfte angesichts der Luxusmodelle wachsen. Pieper jedenfalls rechnet damit, dass sich das Inlandsgeschäft im Rest des Jahres und vor allem 2002 belebt - nicht zuletzt wegen der IAA. Während für das gesamte Jahr 2001 bei den Neuzulassungen in Deutschland ein leichtes Minus erwartet wird, rechnet Pieper 2002 mit ein Plus von drei Prozent.

Dies allerdings ist nur eine Seite der Medaille. "Im Exportgeschäft haben wir die besten Zeiten hinter uns", sagt der Autoexperte. Der wieder stärkere Euro und die anhaltend schwache Konjunktur in den USA würden das Geschäft dort dämpfen. Im ersten Halbjahr erlebten die deutschen Hersteller einen wahren Exportboom. Gut 1,9 Millionen Pkw wurden im Ausland abgesetzt. Das waren acht Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2000. Damit verkauften die deutschen Hersteller fast 70 Prozent ihrer Produktion jenseits der Grenzen, vor zehn Jahren waren es nur knapp 50 Prozent. Für das gesamte Jahr rechnet der VDA mit einem Absatzrekord im Ausland von mindestens 3,6 Millionen Fahrzeugen.

Weltweit ist die Lage der Automobilindustrie trotz der Konjunkturabschwächung durchaus solide. Im Jahr 2000 legte die Nachfrage um drei Prozent auf über 55 Millionen Autos zu. In Asien zogen die Geschäfte wieder an, China verzeichnete sogar ein Plus von 14 Prozent. In Lateinamerika und in Osteuropa allerdings war das Bild gemischt. Vor allem dort sehen die Auguren von Hypovereinsbank und Mercer Management bis Ende des Jahrzehnts allerdings die größten Wachstumschancen. Auch für diese Märkte ist die alle zwei Jahre stattfindende IAA ein wichtiges Schaufenster. Schließlich ist die Messe die größte Autoschau der Welt.

Kein Wunder also, dass Daimler-Chrysler allein für die Marke Mercedes die gesamte Festhalle in Beschlag nimmt und dort eigens mehrere Etagen einzieht. VW lässt sich in der neuen Halle drei auf fast 18 000 Quadratmetern nieder. Und BMW hat wieder einmal einen eigenen 6 000 Quadratmeter großen Pavillon aufgebaut, dessen Fundamente bereits im Mai gegossen wurden. Insgesamt teilen sich 1100 Aussteller aus 40 Ländern das 225 000 Quadratmeter große Messegelände am Frankfurter Messeturm. Rund eine Million Besucher erwartet der Branchenverband VDA vom 13. bis 23. September. Zu den ersten gehört ein bekennender Autofan: Bundeskanzler Gerhard Schröder wird die Schau am kommenden Donnerstag eröffnen.

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