Wirtschaft : Internationale Hilfe für Korea

Milliarden bewahren vor dem Staatsbankrott / Kurssturz in Japan SEOUL/NEW YORK/TOKIO (dpa).Mit Milliarden-Sofortkrediten haben die westlichen Industriestaaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) über Weihnachten Südkorea vor einem kurzfristig drohenden Zusammenbruch der Finanzmärkte gerettet.Koreas internationale Gläubigerbanken wollen am kommenden Montag ihre Umschuldungsstrategie besprechen.Im Gegenzug sagte Seoul zu, den Kapitalmarkt schneller für westliche Firmen zu öffnen und die mit Massenentlassungen verbundenen Wirtschaftsreformen zu beschleunigen. Die koreanischen Finanzmärkte, die am Donnerstag geschlossen geblieben waren, reagierten euphorisch auf die Soforthilfe.In Seoul schnellten die Aktienkurse am Freitag um 6,74 Prozent in die Höhe und der Index Kospi schloß mit 375,15 Punkten.Die Landeswährung Won sprang um 22,7 Prozent auf 1498 Won je Dollar.Das war der höchste je erzielte Tagesgewinn.Am Mittwoch waren 1836 Won je Dollar notiert worden; zu Jahresbeginn waren es noch 840 Won gewesen. Der IWF und 13 Geberländer, darunter die G-7-Staaten Deutschland, Japan, die USA, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada, sagten Südkorea am Mittwoch eine Soforthilfe von 10 Mrd.Dollar (rund 17,7 Mrd.DM) zu.Das Geld ist Teil des vom IWF koordinierten Kreditrahmens von 57 Mrd.Dollar.Der IWF stellt noch vor Silvester 2 Mrd.Dollar bereit.Dazu sollen im Januar 8 Mrd.Dollar der Geberstaaten kommen, darunter aus Japan 3,3 Mrd.und aus den USA 1,7 Mrd.Dollar.An der Soforthilfe beteiligen sich außer der G-7 auch die Niederlande, Belgien, Schweden, die Schweiz, Neuseeland und Australien. Südkoreas neuer Präsident Kim Dae Jung warb am Freitag beim Gewerkschaftsverband FKTU um Verständnis für die Zusagen an die Kreditgeber.So wird es ausländischen Investoren erlaubt werden, börsennotierte koreanische Unternehmen ganz zu übernehmen.Die Banken sollen massiv Personal entlassen dürfen und damit den Einstieg ausländischer Investoren vorbereiten."Das wichtigste ist jetzt, internationales Vertrauen wiederzugewinnen, Dollars ins Land zu bringen und Arbeitsstellen zu schaffen", sagte Kim.Er schlug dem FKTU vor, mit Arbeitgebern und Regierung ein Komitee zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes zu bilden.Im auslaufenden Jahr gab es in Korea die Rekordzahl von 15 000 Firmenzusammenbrüchen. Die vorgezogenen Kredite sollten ursprünglich erst in einer zweiten Verteidigungslinie vergeben werden, falls die vom IWF, der Weltbank und der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) zugesagten 35 Mrd.Dollar nicht ausreichten.Der IWF hatte bereits 9 Mrd., die Weltbank 3 Mrd.und die ADB 2 Mrd.Dollar freigegeben.US-Finanzminister Robert Rubin nannte die Korea-Schnellhilfe im "überwältigenden wirtschaftlichen und nationalen Interesse" der USA."Bei wirtschaftlicher Instabilität entsteht auch das Risiko politischer und sozialer Instabilität." Insgesamt wird Südkorea dank der vorgezogenen Kredite bis Ende Januar weitere 15 Mrd.Dollar erhalten.Das Geld wird dringend für den Schuldendienst des Landes benötigt.Bis Ende Dezember sind 15 Mrd.Dollar Schulden fällig.Das Land hat aber nur noch 8,7 Mrd.Dollar, nach Wall-Street-Angaben sogar nur noch 5 Mrd.Dollar Reserven. Die Duff & Phelps Credit Rating Company in New York schätzt, daß die südkoreanische Privatwirtschaft bei ausländischen Gläubigern "mehr als 100 Mrd.Dollar" kurzfristig fällig werdender Verpflichtungen hat.Das ist der Löwenanteil der Auslandsschulden.Daher wird für den Erfolg des beschleunigten Hilfsprogramms viel davon abhängen, ob sich die südkoreanischen Banken und Großkonzerne mit ihren ausländischen Gläubigerbanken auf Umschuldungen einigen können.Ohne die Beteiligung der kreditgebenden Banken ist nach Ansicht von Wall-Street-Experten keine langfristige Lösung denkbar.Zahlreiche Gläubigerbanken haben für den kommenden Montag in New York ein Treffen angesetzt, um südkoreanische Umschuldungswünsche zu diskutieren.Sechs US-Großbanken - Chase Manhattan, Citicorp, J.P.Morgan, BankAmerica, Bankers Trust und Bank of New York - hatten nach einem Treffen am Mittwoch erklärt: "Wir wollen mit anderen wichtigen Finanzinstitutionen diskutieren, die in Südkorea aktiv sind." In Japan kam es hingegen zu einem weiteren Kursabsturz, Spekulationen über weitere Firmenkonkurse drückten die Notierungen am Freitag fast auf den Jahrestiefpunkt.Noch am Vortag hatte die Erklärung der Regierung, die Wirtschaft notfalls mit umgerechnet 411 Mrd.DM zu stabilisieren, die Kurse nach oben getrieben.Die Ankündigung eines Sanierungshaushaltes und neue Pläne zur Stabilisierung des Bankensektors konnten die erneute Kursschwäche aber nicht verhindern.Der Nikkei-Index für 225 Standardwerte fiel um Freitag um 3,2 Prozent auf 14 802,60 Punkte.Das waren lediglich gut drei Punkte mehr als der Jahrestiefstand vom Montag.

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