Wirtschaft : Internationale Luftfahrtschau: EADS hat Aufträge für sechs Jahre

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Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS rechnet damit, dass er im Marktsegment der Ultra-Großflugzeuge nicht auf Jahre hinaus die Alleinstellung behalten wird. "Wir gehen fest davon aus, dass Boeing irgendwann in diesen Markt eintreten wird", sagte EADS-Finanzchef Axel Arendt. Allerdings ließen die aggressiven Kommentare gegen die 80-prozentige EADS-Tochter Airbus während der Luftfahrtmesse in Le Bourget darauf schließen, dass Boeing derzeit noch keine Antworten auf die A 380-Lösung des Wettbewerbers finde.

Arendt will vor allem wegen der aktuellen Situation im zivilen Flugzeuggeschäft eine "gewisse Nervosität" beim weltgrößten Flugzeugbauer erkannt haben. Während das US-Unternehmen für die Version eines verlängerten Jumbo-Jets keinen einzigen Auftrag erhalten und daraufhin den Ausstieg aus diesem Segment verkündet hatte, bestellten Airlines bisher 62 Maschinen des doppelstöckigen Riesen-Airbus, der mit bis zu 800 Sitzen das größte Passagierflugzeug der Welt werden soll.

Branchenexperten gehen fest davon aus, dass noch in dieser Woche weitere Aufträge für den A 380 verkündet werden. Arendt prophezeit deshalb eine breite Akzeptanz und einen bedeutenden Erfolg für das 10,7 Milliarden Euro teure Projekt: "Die Metropolen werden immer größer, und das Wachstum der Flughäfen ist begrenzt. Schon jetzt könnten sie eine A380 gut einsetzen, etwa auf einer Strecke wie Frankfurt-New York." Der Markt könne auf Dauer 1500 Flugzeuge aufnehmen, davon 300 Maschinen als Frachter-Version. Airbus plane Boeing in diesem Segment als späteren Wettbewerber ein und rechne deshalb mit einem eigenen Marktanteil von etwa 50 Prozent.

Auch im Segment der kleineren Passagiermaschinen verbreitet Airbus trotz spürbar nachlassender Konjunktur weiter Zuversicht. Die US-Fluggesellschaft Jetblue Airways kündigte gestern die feste Bestellung von 30 Airbus-Flugzeugen des Typs A320 an. Den Listenpreisen zufolge entspricht die Order einem Auftragswert von 1,62 Milliarden Dollar (rund 3,66 Milliarden Mark). Im Gegenzug führt allerdings die angeschlagene belgische Fluglinie Sabena zurzeit Gespräche über die Stornierung oder Verschiebung einer Bestellung von 19 Airbus-Flugzeugen. "Auf Grund unserer finanziellen Situation ziehen wir es vor, den Auftrag zu kündigen oder zu verschieben", sagte Sabena-Sprecher Wilfried Remans gestern. Airbus-Chef Noel Forgeard kündigte für die Woche in Le Bourget weitere Neubestellungen an. Der Franzose prophezeite gestern, Airbus könne den Auftragsbestand für das laufende Jahr bis zum Ende der Luftfahrtschau gar "mehr als verdoppeln". Von Januar bis Ende Mai hatte Airbus Aufträge für 144 Zivilflugzeuge erhalten.

Im zuletzt defizitären militärischen Bereich erwartet die Airbus-Muttergesellschaft EADS mit dem Bau des neuen Militär-Transporters A400M einen Auftragswert von fast zehn Milliarden Euro. Philippe Camus, Co-Vorstandsvorsitzender von EADS, kündigte gestern an, die endgültigen Kaufverträge zum Bau von 223 Militärtransportern würden nunmehr Ende September 2001 unterzeichnet. Heute sollen Verteidigungsminister aus neun Ländern, darunter Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping, in Le Bourget eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnen.

Der EADS-Finanzchef dementierte Spekulationen, wonach der Konzern nach politischem Hickhack und harten Preisverhandlungen entscheidende Abstriche habe machen müssen. Fast ein Jahr nach dem Start der European Aeronautic Defence and Space Company, die mit dem Börsengang im Juli 2000 aus der Fusion der Münchner DaimlerChrysler Aerospace (Dasa), der französischen Aerospatiale Matra und der spanischen CASA hervorging, zog das deutsch-französische Führungsduo Philippe Camus und Rainer Hertrich eine positive Bilanz. Im laufenden Jahr will die EADS fast 29 Milliarden Euro Umsatz erzielen.

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