Wirtschaft : Internationale Notenbanken sehen Licht am Konjunkturhimmel

BASEL (AP). Die internationalen Notenbanken erwarten eine Stabilisierung der internationalen Finanzmärkte. Die schlimmsten Befürchtungen zu den Finanzkrisen seien nicht eingetreten. Auf der Generalversammlung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) am Montag in Basel warnten die Notenbankchefs aber davor, nun einfach zur Tagesordnung überzugehen. Die Krisen und Risiken des weltweiten Finanzsystems sowie die Rezepte zu größerer Stabilität standen im Mittelpunkt der 69. BIZ-Generalversammlung. Der Präsident der BIZ und Chef der Schwedischen Reichsbank, Urban Bäckström, stellte erleichtert fest, daß die Aussichten der Weltwirtschaft heute viel optimistischer eingeschätzt würden als noch vor wenigen Monaten.

Die schlimmsten Befürchtungen nach den Krisen in Rußland und Brasilien sowie nach dem Beinahekollaps des US-Hedge-Funds Long Term Capital Management seien nicht eingetreten. Diese günstige Entwicklung dürfe aber nicht zur Schlußfolgerung verleiten, daß die Gefahr vorüber sei. Das größte Risiko liege jetzt vielmehr darin, daß der Sinn für die Dringlichkeit von Maßnahmen verlorengehe. "Einfach anzunehmen, daß alles gutgehen wird, wäre äußerst leichtsinnig", sagte Bäckström.

Als wichtigsten Grund für die Bewältigung der heiklen Situation im vergangenen Jahr nannten Bäckström und auch BIZ-Generaldirektor Andrew Crockett im gleichzeitig vorgelegten Jahresbericht die anhaltende Stärke der Konjunktur in den USA. Allerdings bestünden hier auch weiterhin Risiken. Sollten die Anleger nicht mehr im gleichen Maße bereit sein, die rasch steigende Auslandverschuldung der USA zu finanzieren, könnte ein fallender Dollar den aufkeimenden Inflationsdruck in den USA verstärken. Der sich anbahnende Aufschwung könnte so abrupt beendet werden. Zudem erblickt die BIZ eine steigende Protektionismusgefahr in den USA. Hinzu komme das Risiko, daß die Aktienkurse insbesondere in den USA, aber auch in anderen Industrieländern rasch und auf unkontrollierte Weise sinken könnten. In ihrer eigentlichen Domäne, der Geldpolitik, können die Zentralbanken einen weltweiten Rückgang der Inflation als Erfolg verbuchen. Ein allgemeines Wiederaufflammen der Inflation scheine weniger wahrscheinlich zu sein als ein weiterer Rückgang des Preisauftriebs oder sogar eine Deflation, stellte BIZ-Generaldirektor Crockett fest. Die Wirtschaftspolitik sollte nun vorrangig der Fiskalpolitik, der Reform der Arbeitsmärkte, der Sanierung des Bankensystems und oft auch des Unternehmenssektors ebenso große Aufmerksamkeit schenken, forderten die Notenbankgouverneure in Basel.

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