Internationale Reaktionen : Eine Antwort auf den Krieg der Märkte

Je nach Standort fallen die Standpunkte aus: Arme Länder und Vertreter der Wirtschaft begrüßen die Hilfe, Gewerkschaftern geht sie nicht weit genug.

Hilfe für Griechenland.
Hilfe für Griechenland.Foto: dapd

Evangelos Venizelos, griechischer Finanzminister: „Die Euro-Gruppe hat den Märkten, die einen Krieg gegen den Euro führen, eine klare Antwort gegeben.“

„Correio da Manhã“, portugiesische Zeitung: „Die Hilfe für Griechenland hilft Portugal aus der Patsche.“

João Duque, portugiesischer Ökonom: „Die Senkung der Zinssätze trägt zur Stabilisierung der Schulden bei, stellt aber keine Lösung des Problems dar.“

Michael Diekmann, Vorstandsvorsitzender der Allianz: „Der umfangreiche freiwillige Beitrag des Finanzsektors hilft Griechenland dabei, jetzt die anstehenden Reformen in Angriff nehmen zu können.“

Anton Börner, Präsident des Außenhandelsverbandes: „Die EU hat den Märkten Handlungsfähigkeit demonstriert. Die Wirtschaft hat damit grünes Licht auf ihrem weiteren Wachstumspfad.“

Dieter Hundt, Arbeitgeberpräsident: „Die Staats- und Regierungschefs haben nach mehreren Anläufen endlich die notwendigen Entscheidungen getroffen. Die Kompetenzerweiterungen des EFSF zeigen die Entschlossenheit, die Krise zur Festigung der Gemeinschaft zu nutzen und das Gewicht Europas geschlossen in den globalen Wettbewerb einzubringen. Jetzt muss eine verstärkte Koordinierung der europäischen Wirtschaftspolitik folgen.“

Claus Matecki, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes: „Das jetzt beschlossene Paket wird die Probleme der Eurozone nicht lösen. Es fehlt weiterhin eine Wachstumsperspektive für die Krisenländer. Noch nicht abzusehen ist, was die freiwillige Beteiligung der Gläubiger bringen wird.“

Reiner Holznagel, Vizepräsident des Bundes der Steuerzahler: „Es ist fahrlässig, dass die EU-Regierungschefs den Steuerzahlern weitere Haftungsrisiken für Griechenland im Umfang von 109 Milliarden Euro unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds aufgebürdet haben. Allein der EU-Beschluss, dass der Rettungsfonds künftig Anleihen kriselnder Staaten aufkaufen darf, besiegelt die Haftungsunion.“

Hans-Werner Sinn, Chef des Münchener Ifo-Instituts: „Die Finanzmärkte reagieren ja sehr positiv auf die Beschlüsse von gestern. Da es hier um einen Verteilungskonflikt zwischen den Steuerzahlern Europas und den Investoren geht, ist das eine schlechte Nachricht für die Steuerzahler. Die Steuerzahler sind hier zusätzlich in die Haftung genommen worden. Die Zinsen für Griechenland wurden noch weiter unter das Marktniveau gesenkt.“

Roland Süß und Steffen Stierle, Attac: „Dass endlich auch private Gläubiger an den Kosten der Krise beteiligt werden, ist eine gute Entwicklung. Nur so werden jene zur Kasse gebeten, die jahrelang von deregulierten Finanzmärkten profitiert und dabei die Krise mit verursacht haben. Die Politiker Europas sind nur noch eine Horde von Getriebenen, die hörig das umsetzen, was die Märkte fordern.“

Martin Faust, Bankenprofessor : „Für mich fehlt eine Grundstruktur, wie man die Länder künftig dazu bringt, ihre Staatsdefizite zu begrenzen und abzubauen.“

Credit Suisse: „Die Einigung war konstruktiver als wir erwartet haben. Sie richtet sich gegen die Unsicherheiten bei den Schulden der Peripherie-Staaten sowie gegen eine Ansteckung am europäischen Bonds-Markt.“

Die US-Bank JP Morgan: „Mit den Maßnahmen gelingt es nicht, Griechenland auf einen finanziell soliden und tragfähigen Weg zu bringen. Nach unseren Berechnungen wird die Verschuldungsrate Griechenlands gemessen am Bruttoinlandsprodukt um rund 25 Prozent über die nächsten fünf Jahre hinweg fallen. Dennoch gibt es 2016 weiterhin eine riesige Schuldenrate von 120 Prozent, selbst wenn die Privatisierungsmaßnahmen von 50 Milliarden Euro durchgeführt werden. Auch die Schuldenrate von Irland und Portugal wird 2016 über 100 Prozent liegen, und die Märkte werden vor allem im Fall von Portugal annehmen, dass ein Schuldenschnitt unvermeidlich ist.“

Jens Weidmann, Bundesbankpräsident: „Indem umfangreiche Risiken auf die Hilfe leistenden Länder und deren Steuerzahler verlagert werden, hat der Euro- Raum einen großen Schritt hin zu einer Vergemeinschaftung von Risiken im Falle unsolider Staatsfinanzen gemacht.“

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