Wirtschaft : Internationaler Handel: EU öffnet Markt für die ärmsten Länder

Die Europäische Union wird ihre Märkte für Produkte der ärmsten Staaten der Welt völlig öffnen. "Kein Handelspartner weltweit ist bisher so weit gegangen", teilte die schwedische EU-Ratspräsidentschaft beim EU-Außenministertreffen in Brüssel mit. Die EU-Außenminister konnten sich erst nach zähen Diskussionen auf die Marktöffnung einigen. Die schwedische Präsidentschaft sprach von deutlichen Meinungsunterschieden, da manchen Ländern die Liberalisierung zu schnell komme.

"Da ist die EU noch einmal haarscharf an einer Blamage vorbeigerutscht", erklärte Bundesentwicklungministerin Heidemarie-Wieczorek-Zeul zum Marktzugang für die 48 ärmsten Entwicklungsländer. Dieser Beschluss dürfe nur einen Zwischenschritt sein, da er im Vorfeld der Entscheidung bereits zu Ungunsten der Entwicklungsländer verwässert worden sei. Für Zucker und Reis seien lange Übergangsfristen bis zur vollständigen Marktöffnung im Jahr 2009 vereinbart worden, für Bananen bis 2006. "Jetzt müssen wir den nächsten deutlicheren Schritt machen und den Protektionismus in der EU-Agrarpolitik aufbrechen, indem wir die EU-Zuckermarktordnung 2003 auslaufen lassen", forderte sie.

Im Vorfeld hatten Frankreich, Spanien und andere südliche EU-Länder sich dagegen gesperrt, Agrarprodukte aus den ärmsten Ländern ungehindert auf den Markt zu lassen. Deutschland, Großbritannien und andere nordeuropäische Staaten drängten hingegen auf eine Liberalisierung.

Gründsätzlich sollen alle Produkte ohne Zoll- oder Quotenbarrieren in die EU gelangen können. Ausgenommen sind lediglich Waffen. Die Exporte der ärmsten Länder - dazu gehören viele afrikanische Staaten sowie Afghanistan oder Kambodscha - in die Europäische Union erreichten 1998 gerade einmal 8,7 Milliarden Euro. Das sind umgerechnet etwa 17 Milliarden Mark.

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