Wirtschaft : Internationaler Währungsfonds: Türkei erfüllt die Bedingungen des IWF

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Das Exekutivdirektorium des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington trifft sich am Donnerstag, um über die Fortzahlung der Kredite an die Türkei zu beraten. Die Zustimmung gilt als sicher. In Washington wird erwartet, dass noch in dieser Woche Gelder nach Ankara fließen werden. Am Dienstag hatte die Türkei zwei Bedingungen erfüllt, die der IWF an die Kreditvergabe geknüpft hatte. So hat Ankara sowohl neue Mitglieder für den Vorstand des staatlichen Telekommunikationskonzerns Turk Telekom benannt als auch Reformen im Bankensektor eingeleitet.

Anfang vergangener Woche hatte der IWF ein Direktoriumstreffen verschoben, das die Freigabe einer 1,5 Milliarden Dollar großen Kredittranche beschließen sollte. Die Weltbank, eine Schwesterorganisation des IWF, hatte sich der Entscheidung des Fonds angeschlossen und ebenfalls 1,7 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern eingefroren. Als Grund gab der IWF den schleppenden Fortgang von vereinbarten Reformen an, die eine zunehmende Unabhängigkeit der türkischen Wirtschaft von staatlicher Kontrolle sichern sollten.

Der IWF hatte zum einen gefordert, den Bankensektor umzustrukturieren. Die türkische Bankenaufsicht hat deshalb am Dienstag fünf Privatbanken übernommen. Betroffen sind die Bayindirbank, die EGS Bank, die Kentbank, die Tarisbank und die Sitebank. Damit haben in den vergangenen vier Jahren bereits 18 Banken ihre Unabhängigkeit verloren. Grund für die Maßnahme seien finanzielle Schwierigkeiten der Kreditinstitute gewesen, hieß es. Die Kosten dieser Übernahme werden auf 750 Millionen Dollar geschätzt.

Zum anderen hatte der IWF eine Neubesetzung des Vorstands der Turk Telekom gefordert. Dieser Bedingung ist die Türkei jedoch nur teilweise nachgekommen. Sie hat den siebenköpfigen Vorstand auf neun Mitglieder erweitert und dafür zwei Personen mit Erfahrungen in der Privatwirtschaft benannt. Einer davon ist Murat Yilmaz, ein ehemaliger Manager aus dem Mediensektor. Das zweite Mitglied, Neset Tanridag, war bislang bei einem erfolgreichen Software-Unternehmen tätig.

Der IWF hatte zuvor kritisiert, dass fünf der kürzlich benannten sieben Vorstandsmitglieder Politiker seien. Der türkische Ministerpräsident hatte sich zunächst geweigert, den Vorstand erneut umzubesetzen, dann aber eingelenkt, "damit die Beziehung zum IWF nicht von einem künstlichen Problem überschattet" werde. Die Reformen in der Türkei folgten auf einen Besuch des türkischen Wirtschaftsministers Kemal Dervis, der nach dem Aussetzen der Kredittranche in der vergangenen Woche nach Washington gereist war.

Die Türkei war im Februar dieses Jahres von einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise erschüttert worden - der zweiten innerhalb weniger Monate. Einer der ökonomischen Gründe für die Krise ist das marode Bankensystem. Die Zentralbank musste den Wechselkurs freigeben, woraufhin die türkische Lira 40 Prozent ihres Wertes verlor. IWF und Weltbank haben der Türkei insgesamt 15,7 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern zugesagt.

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