Internet : 8, 9, 10 ... Ebay Deutschland feiert Geburtstag!

Der deutsche Ebay-Ableger feiert sein zehnjähriges Jubiläum. Was aber ist aus dem Auktionsportal geworden? Vom Charme der Gründerjahre ist nicht mehr viel übrig. Nutzer beklagen vor allem die zunehmende Professionalisierung des Verkaufsangebots.

Julian Mieth
Ebay-Zentrale berlin
Ebay Deutschland: Unternehmenssitz in Dreilinden bei Berlin. -Foto: dpa

BerlinAlles hat mit einer bei Ebay ersteigerten Uhr begonnen, erinnert sich Kai-Karsten Kopsch. Die habe er zum doppelten Preis weiter versteigert. In seinem heutigen Leben ist er erfolgreicher Juwelier. Das verdankt er Ebay, Kopsch ist ein Vielverkäufer – ein Powerseller. Vor Jahren – in einem anderen Leben – war er Marketing-Experte in einer Werbeagentur. Als er 2002 entlassen wurde, nutze er sein Know-How und eröffnete einen Ebay-Shop. Uhren waren für ihn schon immer eine Leidenschaft. „Es kommt nicht auf das Produkt an, sondern was man daraus macht." Ansprechende Fotos, gutes Design heißt sein Erfolgsrezept, das Bieter dazu bringt, mehr zu zahlen. Monatlich besuchen etwa 80.000 User seinen Ebay-Shop. "Ich kann davon sehr gut leben. Der Job macht mir Spaß, vor allem weil ich mein eigener Chef bin." Kai-Karsten Kopsch ist einer von 12.000 Powersellern in Deutschland, die ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit professionellen Warenangeboten verdienen.

Charme ade: Powerseller und enttäuschte User

Der urige Flohmarkt-Charme ist jedoch längst verflogen. Konnte man in den ersten Jahren noch allerlei Rares und Kurioses ersteigern, so richtet sich das Angebot heute vor allem auf Neuwarenverkäufe. Schnäppchen, wie etwa im Fall einer Luxus-Yacht, die für läppische 22,50 Euro den Besitzer wechselte, lassen sich heute nicht mehr finden. Ebay ist vom globalen Basar zum hoch spezialisierten Shopping-Center geworden, in dem sich wahre Verkaufsstrategen niedergelassen haben. Die Vielverkäufer dominieren in vielen Sparten. Inzwischen werden über Ebay stetig mehr neue Artikel zum Festpreis verkauft. Experten schätzen den Anteil auf etwa 50 Prozent. Treffend, dass sich Ebay selbst mittlerweile nicht mehr Auktionshaus nennt, sondern Marktplatz.

Am 1. März feiert Ebay sein zehnjähriges Jubiläum in Deutschland. Mit über 14,5 Millionen aktiven Nutzern ist das Portal hierzulande fest etabliert. Angefangen hat die alles 1999 in Berlin mit einer Kopie. Die Brüder Alexander, Marc und Oliver Samwer hatten im Silicon Valley in Kalifornien gearbeitet und dort die Verkaufsplattform kennen gelernt. Was in Amerika funktioniert, müsste auch in Deutschland klappen, dachten sich die drei. In den USA legte Ebay einen Traumstart hin und machte den Erfinder Pierre Omidyar schnell reich. Gemeinsam mit Freunden gründeten die Berliner Brüder das Auktionshaus Alando. Das lief so gut, dass Ebay nur sechs Monate später das deutsche Pendant für über 40 Millionen Dollar übernahm.

Ebay braucht private und gewerbliche Verkäufer

Ebays Erfolg in Deutschland begann. Bald schon war von Omas Teeservice, über die gebrauchte Couchgarnitur bis hin zum Gebrauchtwagen alles übers Internet erhältlich. Heute wechselt alle zwei Sekunden ein Kleidungsstück den Besitzer, jede Minute ein Fahrzeug und alle zehn Minuten kommt eine Schrankwand unter den Hammer. Dennoch: die euphorischen Pionierstage sind vorbei. Viele Ebay-Nutzer sind enttäuscht von der zunehmenden Professionalisierung des Angebots und beklagen, dass nicht genügend Rücksicht auf die kleinen Händler genommen werde. Zum zehnjährigen Jubiläum äußert sich im Online-Forum ein User: "Es gibt kein Jubiläum. Das Ebay, das heute existiert, hat mit der ursprünglichen und jahrelang erfolgreichen Plattform nur noch den Namen gemeinsam."

Ebay-Chef Frerk-Malte Feller
Der 33-jährige Frerk-Malte Feller ist Ebay-Chef in Deutschland. -Foto: Ebay

In der deutschen Führungsetage von Ebay hält man indes dagegen. Erst Anfang vergangenen Jahres habe man mit der Erlassung der Einstellgebühr für private Auktionen, die bei einem Euro beginnen, ein deutliches Signal gesendet. "Dass sich die Nutzer über eine zunehmende Professionalisierung des Angebots beschweren, nehmen wir so nicht wahr", sagt Ebay-Chef Frerk-Malte Feller. "Für die Vielfalt ist beides wichtig: einerseits die gewerblichen Angebote, andererseits auch die Auktionen von privaten Verkäufern." Im Weihnachtsgeschäft 2008 seien über 30 Millionen verkaufte Artikel registriert worden, betont Feller, die sich gleichmäßig auf gewerbliche und private Anbieter verteilen. Erst 2008 aber signalisierte Ebay in Amerika, dass die Zukunft in den großen, vertrauenswürdigen Verkäufer – den Powersellern – liege. Davon will Frerk-Malte Feller in Deutschland nichts wissen. "Nach wie vor gibt es bei uns Auktionen und Festpreise. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern."

Neu gegen Alt: Parallelen zur Offline-Welt

Die Professionalisierung ist dabei nicht neu und hat Parallelen in der Offline-Welt. Ben Rachid vom Event-Veranstalter Kreaktiva, der deutschlandweit Trödelmärkte organisiert, kennt diese Sorgen. "Wir stellen fest, dass seit etwa zehn Jahren immer mehr Neuwarenhändler hinzu stoßen und die traditionellen Trödler vertreiben", sagt Rachid und beschreibt damit einen Trend, den andere Organisatoren bestätigen. "Natürlich kann generell jeder auf einem Trödelmarkt verkaufen. Aber wir versuchen ein ausgewogenes Angebot zwischen Alt und Neu aufzustellen. Das wird zunehmend schwieriger – niemand will zehn Marktstände mit Kartoffelmessern für einen Euro." Ähnlich wie beim ehemaligen Online-Trödler Ebay würde man die Gebühren für Trödler senken und mit Preissteigerungen bei den professionellen Neuwarenhändlern aufgefangen. "Viel nützt das aber nicht."

Der deutsche Markt ist für Ebay zu einem der wichtigsten geworden. Von den weltweit über 86 Millionen aktiven Ebayern sind ungefähr ein Sechstel Deutsche. Umso verwunderter ist Uhren-Händler Kai-Karsten Kopsch über das aktuelle Management bei Ebay. "Ich habe zuletzt vor allem die offensive Werbung vermisst. Das schlägt sich natürlich auch direkt auf mein Geschäft aus", sagt er. Eine andere Alternative zu Ebay gäbe es aber nicht. "Auf anderen Portalen fehlt einfach der Publikumsverkehr."  

Schnäppchen heute

Zwar lohnen sich für Verkäufer andere Verkaufsplattformen oft kaum. Für Schnäppchenjäger gibt es jedoch zahlreiche Alternativen im Netz zum Marktführer Ebay. Meist lohnt ein Blick auf andere Seiten – auch wenn die Suche nicht immer von Erfolg gekrönt sein muss. Um günstige Angebote oder heißgesuchte Raritäten zu finden, sind mitunter umfangreiche Filter-Einstellungen in der komplexen Ebay-Suchfunktion nötig.

Andere Anbeiter versuchen mit unterschiedlichen Konzepten Ebay Kunden abzujagen. Deutschlands zweitgrößtes Internetauktionsportal "hood.de" lockt etwa standardmäßig mit kostenlosen Auktionen; Gebühren werden nur bei zusätzlichen Optionen fällig. Die Verkaufsseite "azubo.de" kehrt das Auktionsprinzip um: Der Preis fällt, bis ein Käufer zuschlägt. Auch hier kosten nur Sonderleistungen, dafür muss eine 4,5-prozentigen Provision vom Verkaufspreis gezahlt werden.

Vorsicht bei Internetkäufen

Wer ein gesuchtes Produkt bei Ebay zum Festpreis findet, sollte zudem auf Vergleichsseiten wie "guenstiger.de" oder "billiger.de" weitere Angebote einholen. Allerdings gilt, dass der billigste Anbieter nicht immer der beste ist. "Über einen Online-Shop habe ich eine Videokamera per Vorabüberweisung bestellt", berichtet etwa Dominique Garaudel aus Düsseldorf. "Nachdem die Kamera längst hätte ankommen müssen, habe ich beim Verkäufer nachgehört, wurde jedoch immer wieder vertröstet." Ungefähr zwei Monate später erfuhr der 28-Jährige schließlich, dass der Anbieter Insolvenz angemeldet hatte. Weder Kamera, noch die 700 Euro hat Garaudel bis heute erhalten. "Jetzt würde ich in jedem Fall zweimal überlegen, bevor ich etwas im Internet bestelle", sagt Garaudel. "Man sollte sich in jedem Fall die Shopbewertungen anschauen und möglichst über größeren Plattformen ordern – das ist sicherer."

Andere Online-Marktplätze sind zudem "auxion.de", "besteauktion.de" oder "feininger.de". Keiner von Ebays Nebenbuhlern hat aber einen annähernden Bekanntheitsgrad erreicht. Dies hat zur Folge, dass die Verkäufer ihre Artikel nicht loswerden oder der Erlös niedrig ausfällt, weil nur wenige mitbieten. Für Käufer ergeben sich so mitunter reizvolle Schnäppchen. Julian Mieth

0 Kommentare

Neuester Kommentar