Wirtschaft : Internet-Aktien: Analysten beurteilen die Papiere weiter skeptisch

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Der Dotcom-Crash machte auch vor den europäischen Internet-Portalen und Internet-Service-Providern nicht Halt. Die Aktien der France Télécom-Tochter Wanadoo fielen innerhalb eines Jahres von 22 auf knapp sechs Euro, die Papiere der Deutsche Telekom-Tochter T-Online von 40 Euro auf zehn Euro und Tiscali-Titel von fast 52 Euro auf unter zwölf Euro.

Die Investment-Bank Dresdner Kleinwort Wasserstein hat jetzt die Chancen und Risiken der größten europäischen Internetaktien untersucht. Favorit der Analysten ist Wanadoo. Der französische Internet-Service-Provider verfüge über ein stabiles Management, Zugang zur Breitbandtechnologie und habe sich durch den Kauf des britischen Providers Freeserve auch außerhalb Frankreichs in eine gute Ausgangsposition gebracht. Auch Joeri Sels, Analyst bei der Privatbank Julius Bär, hält Wanadoo in Europa für am besten positioniert. "Als einzigen europäischen Internetanbieter empfehlen wir Wanadoo den Anlegern zum Kauf."

T-Online kommt bei den Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein zwar nicht ganz so gut weg wie der französische Konkurrent, aber auch hier sehen sie trotz der massiven Managementprobleme durchaus Potenzial. Genauso wie Wanadoo setze T-Online auf Wachstum und auf Profit. Die Strategie fuße auf einem soliden Geschäftsplan und sei mit einem geringeren Risiko verbunden. Johannes Reich vom Bankhaus Metzler hält T-Online allein schon wegen seiner Marktführerschaft in Europa für gut positioniert. Einen weiteren Pluspunkt sieht Ernst Scheerer, Mitautor der Studie: "Wichtig ist bei den Internetanbietern, dass sie Zugang zur Breitbandtechnologie haben, und den hat T-Online durch die Deutsche Telekom." Allerdings erkennt Analyst Reich auch Gefahren: "T-Online hatte in letzter Zeit schwer mit der Fluktuation im oberen Management zu kämpfen." Zur Vorsicht raten die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein bei Tiscali. Die Aktie sei aufgrund der Ausrichtung des Unternehmens sehr riskant. Portale wie Tiscali bieten dem Internetnutzer nur einen Internetzugang ohne vertragliche Bindung an.

"Internet-Service-Provider sind besser positioniert als Portale, weil sie mehr Dienstleistungen anbieten und dafür auch Geld bekommen", sagt Scheerer. Internet Service Provider wie T-Online verlangen eine monatliche Grundgebühr, Tiscali finanziert sich in erster Linie aus Werbung. "Die Werbe-Finanzierung ist kritischer geworden, weil der Online-Werbemarkt zusammengebrochen ist", meint Scheerer. Außerdem setze Tiscali zu stark auf Wachstum. Auch Sels sieht bei Tiscali Risiken: "Tiscali läuft mit dem Expansionskurs Gefahr, die Zukäufe nicht vernünftig integrieren zu können." Generell raten die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein Anlegern, bei Internetanbietern darauf zu achten, dass das Unternehmen genügend zahlende Kunden und Zugang zur Breitbandtechnologie hat. Sels ist vorsichtiger: "Das Schlimmste ist zwar schon vorbei, aber man muss in diese Werte jetzt noch nicht unbedingt einsteigen." Reich hält für möglich, dass die Kurse noch weiter fallen. "Im Moment würde ich Anlegern raten, die Finger von diesen Aktien zu lassen."

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