Wirtschaft : "Internet-Boom verschlafen"

BERLIN (dw).Deutschland fällt bei der kommerziellen Nutzung des Internets im internationalen Vergleich zurück.Das sagte der Geschäftsführer der IBM Deutschland GmbH, Erwin Staudt, am Mittwoch zum Tagesspiegel.In kleinen Ländern wie Finnland gebe es pro Einwohner etwa sechsmal soviele Server (Knotenpunkt-Rechner) wie hierzulande.Deutschland sei mit 157 Rechnern auf 10 000 Einwohnern sogar hinter Österreich zurückgefallen und rangiere abgeschlagen auf Platz 10 der europäischen Rangliste, mahnte Staudt, der seit Oktober letzten Jahres an der Spitze der IBM Deutschland steht.

"In Singapur werden die Schulen inzwischen am Sonnabend offengehalten, damit die Schüler Zugang zu Internet-Rechnern haben", sagte Staudt.Während in den USA Vizepräsident Al Gore als hochqualifizierter Experte in Sachen Internet und Superdaten-Highway gelte, müsse man entsprechende Politiker in Deutschland mit der Lupe suchen.Bundeskanzler Schröder wolle bis Ende 2002 jede Schule ans Internet bringen - in den USA werde bis dahin jeder einzelne Schüler vernetzt sein.Deutschland sei zu sehr auf die Debatte über Datensicherheit und Datenschutz fixiert, lasse es aber an Visionen über Nutzen und Einsatz des neuen Mediums fehlen.Nach Schätzungen von Staudt würden bereits im Jahre 2000 rund 800 Millionen Internet-Nutzer weltweit einen Umsatz von mehr als einer Billion US-Dollar generieren.Im Kampf um diese Marktanteile drohe Deutschland den Anschluß selbst gegenüber Schwellenländern zu verpassen.Deren Unternehmen hätten erkannt, "daß sie dank Internet mit äußerst geringem Aufwand ein global player sein können".

Der IBM-Chef betonte, daß es im Electronic Commerce kein Sicherheitsproblem mehr gebe.Die Zahlung unter Angabe der Kreditkartennummer über das Internet sei inzwischen unproblematisch: "Das Problem ist gelöst", sagte Staudt.

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