Internet Explorer : Unternehmen fürchten Sicherheitslücken nicht

Die Wirtschaft arbeitet trotz offizieller Warnung weiter mit Microsofts Internet-Browser Explorer.

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Berlin - Drei Tage. So lange dauerte es bei der Allianz, bis das aktuelle Sicherheitsproblem behoben war. Drei Tage, in denen ein Angriff möglich gewesen wäre? Datenschutz sei im Versicherungsgeschäft extrem wichtig, sagte ein Sprecher und bemühte sich, Zweifel auszuräumen: Der Konzern beschäftige allein in Deutschland 2000 IT-Mitarbeiter.

Am vergangenen Dienstag hatte Google über massive Hackerangriffe informiert, durch die auch Mail-Konten privater Nutzer des Internetkonzerns betroffen waren. Möglich waren die Angriffe durch eine Sicherheitslücke im Microsoft Internet Explorer. Weil Microsoft die Lücke bislang nicht schließen konnte, warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor der Verwendung des Browsers und rät zu Alternativen. Das Risiko für Unternehmen will Michael Gärtner vom Bundesamt nicht konkret bewerten. Aber: „Ein Großteil der browser-basierten Anwendungen findet eben in Unternehmen statt.“

Dort haben die IT-Mitarbeiter derzeit viel zu tun. „Wir haben entsprechende Vorkehrungen getroffen“, sagte beispielsweise Steffen Ritter, Sprecher der Berliner Unternehmensgruppe Dussmann, am Montag. Auch die Fluggesellschaft Air Berlin hat sich mit dem Problem auseinandergesetzt, sieht aber keine akute Bedrohung. „Nach Rücksprache mit dem Hersteller unserer Anti-Virensoftware haben wir eine Lösung gefunden“, sagte eine Unternehmenssprecherin.

Die LBB gibt an, umfangreiche Mechanismen zur IT-Sicherheit installiert und sich gegen Virenbefall und Hackerangriffe geschützt zu haben. Ob ein flächendeckender Austausch des Internet Explorers auf Grund der aktuellen Situation erforderlich ist, werde derzeit geprüft. Die Commerzbank betonte, dass sie ihre „Systeme laufend auf dem aktuellsten Sicherheitsstand“ halte. „Wir testen gerade einen Sicherheitspatch“, sagte ein Sprecher am Montag – beinahe eine Woche nach den Vorfällen bei Google.

Grundsätzlich können solche Hackerangriffe aber ein Problem darstellen. „Schäden durch Virenbefall und Sicherheitslecks wie der im Internet Explorer gelten als nicht versicherbar“, erläuterte Michael Lehner vom Versicherungskonzern Allianz. Betroffene Firmen müssten also selbst schauen, wie sie klarkämen.

Die Deutsche Telekom schätzt das aktuelle Risiko eines Hackerangriffs durch die aktuelle Sicherheitslücke als gering ein. „Ich sage nicht, dass es kein Problem gibt, aber wir sind gut gewappnet“, befand ein Sprecher. Ein Großteil der Mitarbeiter habe ohnehin keinen Zugang zum Internet. Die übrigen surfen den Angaben zufolge zwar mit dem Explorer, sind aber durch geschützte Zugänge und Firewalls gegen Angriffe abgesichert. Die Sicherheitssysteme, über die alle großen Unternehmen verfügen, sind jedoch keine Garantie gegen Eindringlinge: Neben Google zählen wohl auch der Softwarehersteller Adobe, das Internetunternehmen Yahoo sowie der Chemiekonzern Dow Chemical zu den Opfern des Angriffs. Experten gehen insgesamt von Dutzenden US-Firmen aus, die betroffen sind. Nur wenige gingen damit an die Öffentlichkeit.Simon Frost

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