Wirtschaft : Internet gefährdet Filialnetz der Banken

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Das Internet ist nach Ansicht des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB) der wichtigste strategische Erfolgsfaktor für die Geldhäuser. Damit rückt bei den Banken auch die Abwicklung von Geschäften für Privatkunden, aber auch für Unternehmen im sogenannten elektronischen Handel (E-Commerce) immer mehr in den Vordergrund. Gleichzeitig werden die Märkte weltweit ausgerichtet, was wiederum den Wettbewerb in der Geldbranche merklich anheizt. Hierzulande wird sich diese Entwicklung nach Angaben von Wolfgang Arnold, dem stellvertretenden Hauptgeschäftsgeführer des BdB, auch auf die Filialen auswirken und etliche Schließungen nach sich ziehen. "Eine geographische Präsens in Form von Filialen wird nicht mehr notwendig sein", sagte er bei der Vorlage der Studie "E-Commerce als Bankdienstleistung" am Dienstag in Frankfurt.

85 Prozent aller Kunden nutzten allerdings heute noch die Filiale, sagte Arnold, nur 15 Prozent erledigen schon jetzt ihre Bankgeschäfte online. In den nächsten zehn bis 15 Jahren, heißt es in der Studie, werde die Bedeutung der Filialen aber hinter das Internet und das Telefonbanking an dritte Stelle zurückfallen.

Trotzdem führt Arnold Filialschließungen nicht allein auf Internet und E-Commerce zurück. Man müsse auch sehen, dass es in Deutschland ohnehin zu viele Filialen gebe. "Das Internet wird die traditionelle Filiale nicht ersetzen, sondern ist als Ergänzung zu den bisherigen Vertriebswegen zu sehen." Der BdB hat auch keine Schätzungen darüber parat, wie viele neue Arbeitsplätze möglicherweise durch Internet und E-Commerce bei Banken entstehen könnten.

Fest steht aber, dass sich auch die Banken mit Internet und E-Commerce nicht nur neue Absatzkanäle und damit neue Kunden erhoffen, sondern auch Geld sparen wollen. Die Rationalisierungspotentiale auch im Kreditgewerbe seien hoch, heißt es in der Studie. Angesichts des verstärkten, weltweiten Wettbewerbs nicht nur mit Banken, sondern auch mit anderen Finanzdienstleistern und Softwareanbietern, seien die Banken gezwungen, ihre Vertriebswege neu zu strukturieren.

Noch größer als im Privatkundengeschäft sind die Internet-Chancen der Banken nach Ansicht des Branchenverbandes allerdings im Firmengeschäft. "Zur Zeit weist der Business-to-Business-Bereich im elektronischen Geschäftsverkehr das größte Potenzial auf und entwickelt sich am schnellsten", heißt es in der Studie. Für Unternehmen und Privatpersonen sei E-Commerce aber nur dann interessant, wenn künftig schnelle und vor allem sichere Zahlungswege zur Verfügung stünden.

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