Internet : Google hängt alle ab

Der amerikanische Internetkonzern verdient erstmals mehr als eine Milliarde Dollar im Quartal. Die Suchmaschine ist dabei schon längst nicht mehr die einzige Einnahmequelle.

Henrik Mortsiefer
Google
Wundertüte Google. Das bunte Logo ist mittlerweile allgegenwärtig. -Foto: AFP

Berlin - Google hat in den Monaten Juli, August und September ein Wunder wahr gemacht. So jedenfalls lässt sich die Begeisterung deuten, die die guten Quartalszahlen des Internetkonzerns am späten Donnerstagabend und Freitag an der Börse auslösten. Die Aktie, die in diesem Jahr schon mehr als 50 Prozent gewonnen hat, stieg nachbörslich kräftig an und legte am Freitag im New Yorker Handel weitere zwei Prozent zu. Google ist damit – hinter Microsoft – der wertvollste Technologie- und Internetkonzern der Welt.

Auf einen Börsenwert von 200 Milliarden Dollar bringt es das Unternehmen aus Mountain View, Kalifornien, das erst 1998 von Larry Page und Sergey Brin gegründet wurde. Zum Vergleich: Microsoft wird mit 293 Milliarden Dollar bewertet. Weit hinter sich gelassen hat Google andere bekannte Internetmarken wie Ebay (52 Milliarden Dollar), Yahoo (40 Milliarden Dollar) oder Amazon (37 Milliarden Dollar). Ebay und Yahoo hatten ihre Prognosen zuletzt ebenfalls übertroffen. Trotz des hohen Niveaus wächst Google derzeit vier bis fünf Mal schneller als Yahoo oder Microsoft.

Besser als den Wettbewerbern ist es Google gelungen, Werbekunden anzulocken, die auf der Suchseite im Internet und auf anderen konzerneigenen Vertriebswegen Anzeigen schalten. Obwohl Skeptiker vorausgesagt hatten, dass hier ein Ende des Wachstums abzusehen ist, schaffte Google im dritten Quartal erneut einen Umsatz- und Gewinnsprung. „Die Firma sticht ihre Wettbewerber weiterhin aus“, sagte Analyst Anthony Noto von Goldman Sachs. Google sei stark und werde noch stärker, kommentierte Konzernchef Eric Schmidt die Zahlen.

Fast 100 Prozent seiner Einnahmen von 4,2 Milliarden Dollar (plus 57 Prozent) erzielt Google aus suchwortbezogener Werbung. Etwas mehr als ein Drittel der Werbeerlöse (1,5 Milliarden Dollar) werden von externen Web-Seiten erzielt, die die Google-Suchmaschine nutzen. Ein kleiner, aber wachsender Teil stammt aus Werbung, die seit kurzem auch beim Videoportal Youtube geschaltet wird, das Google für 1,6 Milliarden Dollar gekauft hatte. Auch in die Vermittlung von Radio- und Printwerbung sowie ins Handygeschäft ist Google eingestiegen. Angeblich plant der Konzern sogar ein eigenes Betriebssystem für den Mobilfunk. Mit dem anstehenden Kauf der Online-Werbefirma Double-Click für 3,1 Milliarden Dollar will Google außerdem die Bandbreite der Online-Werbeformate erweitern.

Die Platzierung von simplen Textanzeigen im Umfeld von Suchergebnissen scheint aber weiter so attraktiv zu sein, dass Google vor allem hier zulegen kann. Der Konzern spielt dabei seinen technologischen Vorsprung und die enorme Reichweite auf dem gesamten Globus aus. Am Donnerstag (Ortszeit) teilte das Unternehmen mit, weiter etwa eine halbe Milliarde Dollar pro Quartal in neue Datenzentren und Netzwerke zu investieren. Das Geschäftsmodell ist einfach und höchst profitabel: Der Werbekunde zahlt umso mehr, je mehr Internetnutzer auf eine von Google vermarktete Anzeige klicken. Der Internetkonzern verdiente damit allein zwischen Juli und September rund 1,1 Milliarden Dollar (plus 46 Prozent).

Das Wachstum fällt seit einigen Quartalen vor allem im Ausland überdurchschnittlich aus, wo Google inzwischen fast die Hälfte seiner Erlöse erwirtschaftet. Der Anteil am US-Markt für Internetsuchen legte im abgelaufenen Quartal ebenfalls zu und erreichte zwischen 57 und 64 Prozent. Yahoo, die Nummer zwei, kam nur auf rund 24 Prozent.

Mit seinem jüngsten Quartalsbericht hat Google die Erwartungen für die kommenden Monate erneut nach oben geschraubt. Das Risiko, diese zu enttäuschen, ist gestiegen.

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