Wirtschaft : Internet-Medienkonzern: Im Internet-Geschäft wird neu gerechnet

Henrik Mortsiefer

Minus mal Minus ergibt Plus. Nach dieser simplen Rechnung haben die beiden defizitären Online-Firmen Tomorrow Internet und Focus Digital ihre Fusion beschlossen. In Zukunft wollen die Gesellschaften Synergieeffekte erzielen - und gemeinsam aus den roten Zahlen kommen. Das Schlagwort Synergie hat man am Neuen Markt bisher selten gehört. Dort ging es um beinharten Wettbewerb, Preiskämpfe und - zuletzt etwas häufiger - um Insolvenz und Liquidation. Dass Konkurrenten versuchen, gemeinsam mehr als die Summe der Teile zu sein, ist neu. Mit Blick auf das Online-Geschäft kann man darin durchaus einen Trend ablesen.

Die dünnen Margen im Geschäft mit dem privaten Kunden (Business-to-Consumer), die Krise im Online-Werbemarkt und die Kannibalisierung allzu ähnlicher Geschäftsmodelle machen den vielen Internet-Portalen das Leben schwer. Für manche reicht es nicht mal mehr zum Überleben. Da macht es Sinn, den schwierigen Markt mit strategischen Partnern gemeinsam zu beackern. Das haben sich die Großaktionäre von Focus Digital und Tomorrow Internet - der Burda Verlag und die Verlagsgruppe Milchstraße - auch so gedacht. Da sie inzwischen im Printgeschäft ebenfalls unter der Anzeigenflaute und dem nachlassenden Interesse an der New Economy leiden, fallen die Verluste im Internet-Geschäft umso mehr ins Gewicht. Doch statt sich aus dem elektronischen Markt ganz zurückzuziehen, bündeln die Medienkonzerne jetzt Redaktion, Technik und Vermarktung ihrer Netz-Marken. Das Konzept ist stimmig. Die Krise der Netz-Ökonomie bedeutet nicht, dass das Internet abgeschaltet wird. Im Gegenteil: Das E-Business wird weiter expandieren und große, reichweitenstarke Portale werden davon besonders profitieren. Die Rechnung der Tomorrow Focus AG könnte aufgehen.

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