Internet : Omi ist offline

Knapp 70 Prozent aller Deutschen sind online, doch nur für ein Viertel der Bevölkerung sind die digitalen Techniken fester Bestandteil des täglichen Lebens. Einer von drei Deutschen ist "digitaler Außenseiter".

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Berlin - Jung, männlich, gut ausgebildet, schlecht bezahlt – dass Internet-Freaks so aussehen, überrascht nicht. Drei Prozent aller deutschen Internetnutzer sind dieser Gruppe zuzurechnen. Die große Mehrheit der Deutschen sei jedoch noch nicht in der digitalen Gesellschaft angekommen, sagte Robert Wieland, Vorstand der Wirtschaftsinitiative D 21 am Donnerstag. Zwar seien knapp 70 Prozent aller Deutschen online, doch nur für ein Viertel der Bevölkerung seien die digitalen Techniken fester Bestandteil des täglichen Lebens, so Wieland. Insbesondere Ältere und Frauen hätten häufig Angst vor dem Netz und fürchten um die Sicherheit ihrer Daten. Hier sei eine „digitale Spaltung“ zu beobachten.

Die von TNS Infratest für D 21 durchgeführte Studie „Digitale Gesellschaft in Deutschland“ entwirft sechs Nutzer-Typen. Mit 35 Prozent die größte Gruppe bilden die „Digitalen Außenseiter“. Das Netz spielt in ihrem Alltag kaum eine Rolle. Das Durchschnittsalter von 63 Jahren ist hier im Vergleich am höchsten. Zwei Drittel dieser Gruppe sind weiblich, drei Viertel nicht berufstätig – Omi ist offline. Die „Gelegenheitsnutzer“ (30 Prozent) haben zwar oft einen Computer und nutzen das Internet auch privat. Die im Schnitt 42-Jährigen bevorzugen aber klassische Medien, ebenso die gleichaltrigen „Berufsnutzer“ (neun Prozent), die hauptsächlich am Arbeitsplatz ins Netz gehen.

Nur ein Viertel der Deutschen ist in der digitalisierten Medienwelt angekommen. Die „Trendnutzer“ (elf Prozent) experimentieren mit neuen Geräten, die „Digitalen Profis“ (zwölf Prozent) nutzen das Netz im Job, aber auch zum Shoppen und zur Information. Mit rund 30 Jahren ist die erwähnte „Digitale Avantgarde“ (drei Prozent) am jüngsten, sie verbringt im Schnitt elf Stunden täglich am Rechner – auch zur Unterhaltung.

Der Medienpsychologe Jo Groebel zeigte sich „erschrocken“ über die Ergebnisse der Studie und forderte von der Politik „mehr Enthusiasmus“ für digitale Themen. Nicht nur die Medienkompetenz von Kindern und Senioren, sondern auch die von Führungspersönlichkeiten müsse verbessert werden. 

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