Wirtschaft : Internet-Piraten sollen vor Gericht

Mutmaßliche Raubkopie-Verkäufer angeklagt

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Berlin - Im bundesweit größten und spektakulärsten Verfahren um die illegale Verbreitung von Kinofilmen, Musik, PC-Spielen und Computerprogrammen über das Internet ist jetzt Anklage gegen die vier mutmaßlichen Hintermänner erhoben worden. Zudem laufen Ermittlungen gegen mehrere tausend Kunden des geschlossenen Dienstes „FTP-Welt“. Das gab am Freitag die Staatsanwaltschaft Mühlhausen in Thüringen bekannt.

Der kostenpflichtige Dienst bestand seit Mitte 2003. Im September 2004 nahm die Polizei die Männer vorübergehend fest. Sie sollen einen Reingewinn von rund 700 000 Euro erzielt haben. Es geht um drei 21- bis 31-jährige Thüringer und den 47-jährigen Anwalt Bernhard S. aus München. Das Landeskriminalamt Thüringen hat auch die Identitäten von 14 500 Kunden ermittelt und bisher rund 7700 Verfahren an die Polizei in anderen Bundesländern weitergeleitet. In Thüringen wurden bis jetzt 20 Verfahren wegen geringer Bestellsummen (zehn bis 20 Euro) eingestellt, die anderen Ermittlungen dauern noch an.

Den Betreibern der Internetseite drohen bis zu fünf Jahre Haft wegen der Verletzung des Urheberrechts und der Verbreitung pornografischen Materials ohne Alterskontrolle. Sie hatten ihre Spuren durch die Gründung einer Briefkastenfirma auf den britischen Jungferninseln verwischt. Die Daten lagen auf Servern im Ausland. Als Gründer des Dienstes gilt der einschlägig vorbestrafte Daniel R. Beschafft wurden die Filme und Programme aus der Raubkopiererszene. Zur Aufdeckung des Falls trugen anonyme Hinweise eines Hackers bei, dem es gelungen war, in das illegale Netzwerk einzudringen. Seine Indiziensammlung wurde 2004 auch dem Tagesspiegel zugespielt; sie enthält beispielsweise E-Mails und Abrechnungsdaten.

Der beschuldigte Anwalt soll die Thüringer beraten, aber auch „Server angemietet und die Rechnungslegung überwacht und kontrolliert“ haben. In die Schlagzeilen war er bereits als Chef einer Firma geraten, die umstrittene Einwahlprogramme für 0900er-Rufnummern (Dialer) vermarktet. CD

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