Internet : Telekom will Berliner Strato kaufen

Die Deutsche Telekom will den Internetdienstleister Strato von Freenet kaufen. Das hat das "Handelsblatt" übereinstimmend sowohl aus Unternehmens- als auch aus Finanzkreisen erfahren. Es gibt offenbar aber noch weitere Interessenten.

Frankfurt am Main/DüsseldorfStrato verwaltet Webseiten und bietet Speicherplatz im Internet an. Freenet hat die Tochter Anfang Juli zum Verkauf angeboten, weil sich die Mutter künftig nur noch auf Mobilfunk konzentrieren will.

Strato sitzt in Berlin und beschäftigt rund 500 Mitarbeiter. In ihrem Segment ist die Firma die Nummer zwei in Europa hinter der Marke 1&1, die zu United Internet gehört. Europaweit hat Strato 1,3 Millionen Kunden. Für sie speichert der Dienstleister rund vier Millionen Webseiten. Dieses sogenannte Webhosting bringt der Freenet-Tochter eine Rendite von etwa 35 Prozent. Diese Traumzahlen haben offenbar das Interesse der Telekom geweckt, die derzeit einen Marktanteil von knapp 20 Prozent im Hosting-Geschäft hat und dort weiter wachsen will. Das Speichern von Webseiten gilt als ein Wachstumsmarkt: Die IT-Branche geht immer stärker dazu über, Anwendungen nicht mehr direkt in den Netzwerken ihrer Kunden zu installieren, sondern auf Abruf aus dem Netz anzubieten. Dazu benötigen die Unternehmen Speicherplatz.

Strato besitzt zudem vor allem mittelständische und kleinere Kunden und würde das bisher auf Großkunden konzentrierte Hosting-Geschäft der Telekom gut ergänzen. Doch neben der Telekom interessieren sich auch United Internet sowie zwei Finanzinvestoren für Strato. United Internet ist bereits europäischer Marktführer für Speicherplatz im Internet. Zusammen mit Strato würde das Unternehmen 80 Prozent des Marktes abdecken.

Bis zum 2. September hat Freenet erste Kaufangebote eingesammelt, heißt es in der Investorenabteilung. Nun erstellt das Unternehmen eine Liste von Bietern, die in die Bücher schauen dürfen, um anschließend verbindliche Angebote abzugeben. Den Kaufpreis von Strato taxieren Unternehmens- und Finanzkreise auf rund 300 Millionen Euro. Der Telekom- Aufsichtsrat hatte sich Ende August dafür ausgesprochen, vor allem in die eigenen Netze in den USA und Europa zu investieren. Für größere Akquisitionen bleibt deshalb kein Spielraum. Kleinere Gelegenheiten wie Strato will der Konzern aber wahrnehmen. jkn/rob/lou (HB)

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