Wirtschaft : Internet-TV statt Kabelfernsehen

Der Konzern kooperiert mit der Wohnungswirtschaft, um sein Angebot besser zu vermarkten

Corinna Visser

Berlin - Die Deutsche Telekom verschärft ihren Angriff auf die Kabelgesellschaften. Für die Vermarktung ihres Komplettangebots aus superschnellem Internetanschluss (VDSL), Fernsehen und Telefon hat die Telekom am Dienstag in Berlin einen Kooperationsvertrag mit der deutschen Wohnungswirtschaft geschlossen. Damit möchte die Telekom ihre Wettbewerbsposition gegenüber den Kabelgesellschaften verbessern.

Der GdW, der Bundesverband der deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen, erhofft sich seinerseits bessere Konditionen für seine Mitgliedsunternehmen. Die sollen, wenn sie bei der aktiven Vermarktung des Telekom-Angebots erfolgreich sind, künftig eine Provision erhalten. So wie es bisher schon bei den Kabelgesellschaften der Fall ist. Auch hoffen die Wohnungsunternehmen, dass die Wahlfreiheit und der Wettbewerb zwischen den verschiedenen Anbietern die Medienversorgung insgesamt verbessert. „Die multimediale Versorgung in der Wohnung wird ein immer wichtigeres Kriterium für die Vermietung einer Wohnung“, sagte GdW-Präsident Lutz Freitag.

Bisher war die Telekom gegenüber den Kabelgesellschaften, die meist langfristige Verträge mit den Wohnungsunternehmen haben, im Nachteil. Denn die Mieter zahlen den einfachen Kabelanschluss meist zusammen mit den Betriebskosten. Dadurch hat es die Telekom schwer, mit ihrem Fernsehangebot unter dem Namen „Entertain“ Kunden zu gewinnen.

Einen Standardkabelanschluss bekommt man für unter zehn Euro im Monat, das Basis-TV- und Video-Angebot der Telekom bietet zwar mehr Programm und Komfort, kostet aber mindestens 49,95 Euro im Monat. Bisher hat die Telekom nach eigenen Angaben 50 000 Kunden für ihr internetbasiertes TV-Angebot gewonnen. Bis Jahresende sollen es 100 000 bis 200 000 Kunden werden. Die Komplettangebote sind ein Versuch, den Kundenschwund im Festnetzgeschäft wenigstens zu bremsen.

Konkurrent Kabel Deutschland – nach eigenen Angaben mit mehr als neun Millionen angeschlossenen Haushalten der größte Kabelnetzbetreiber hierzulande – bietet über das TV-Kabel ebenfalls schnelles Internet, Fernsehen und Telefon im Paket an. Das Unternehmen sieht die neue Kooperation der Telekom mit der Wohnungswirtschaft gelassen. „Wir sehen uns da nicht gefährdet“, sagte ein Kabel-Deutschland-Sprecher dem Tagesspiegel. „Wir begrüßen, dass es jetzt gleiche Wettbewerbsbedingungen gibt.“

Durch den Vertrag mit dem GdW hat die Telekom nämlich eingestanden, dass sie die Genehmigung der Wohnungsunternehmen braucht, um über die hausinternen Leitungen mehr als nur Telefon anbieten zu können. Zwar gibt es nun ein Eckpunktepapier mit dem Verband. Jetzt muss die Telekom aber mit den einzelnen Wohnungsunternehmen Gestattungsverträge abschließen – Verträge also, die es der Telekom etwa erlauben, die hausinternen Kabel so aufzurüsten, dass die neuen Angebote darüber überhaupt laufen. Die Telekom war bisher der Auffassung, die Kabel gehören ihr. Die Wohnungswirtschaft sieht das anders. Davon, welche konkreten Verträge geschlossen werden, hängt auch ab, was sich im Einzelnen für den Mieter ändert. Corinna Visser

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