Wirtschaft : Internet- und Medienaktien sind in Mode

Andrea Martens

Vieles ist in diesem Jahr höchst angesagt. Surfen im Internet, talken per Handy, chatten über E-mail. Und Going-Public, der Börsengang.

Nicht, dass es all dies nicht auch schon ein Jahr zuvor gegeben hätte. Doch Zahlen und Ansichten von Experten beweisen es: Der Handy-Markt boomt, die Internet-Branche gehört zu den interessantesten Bereichen für Neuemmissionen, und eben diese brechen zurzeit alle Rekorde.

Doch in oder out, nicht für jedes Unternehmen ist es empfehlenswert, seine Wertpapiere am Markt zu platzieren. Zunächst entscheiden die Zulassungskriterien der Deutschen Börse darüber, ob eine Gesellschaft den Gang aufs Parkett wagen darf oder nicht. "Die Menschen spielen eine große Rolle", sagt Christoph Stanger von der Investmentbank Goldman Sachs in Frankfurt (Main). Als sehr interessant für Neuemissionen stuft Christoph Stanger Wachstumswerte ein - Telekommunikations- und Internetaktien zum Beispiel.

Im Investment-Banking der DG Bank rangieren Informationstechnik, Medizin, Biotechnik und Medien hoch. So finden sich nach Berechnungen der "Wirtschaftswoche" gleich fünf Medientitel unter den zehn erfolgreichsten Neuemissionen des Jahres, etwa die Berliner Anteilscheine von Senator -Film mit 255 Prozent Plus am ersten Handelstag.

Mit Senator-Film kam gutes Geld

Kaum Chancen für einen erfolgreichen Börsenauftritt sieht die DG Bank bei traditionellen Unternehmen. Hoffnungsvoll seien hingegen Gesellschaften, die eine "Wachstumsstory" haben, urteilte ein Mitarbeiter des Investment Banking. Für eine positive Einschätzung müssten steigende Umsätze, Ergebnisse und Erträge voraussehbar sein. Notwendig sind außerdem ein zeitnahes Rechnungswesen und ein ausgeprägtes Controlling, um den Geschäftserfolg steuern zu können. Auch muss der potenzielle Börsengänger eine Strategie vorlegen, wie er die Mittel aus der Neuemission sinnvoll reinvestieren will. Beabsichtigen große Unternehmen das Going-Public, dann sind schon "Fantasien" gefragt, meint die DG Bank. Als positive Beispiele für große Börsendebütanten nennt die DG Bank Stinnes und Agfa, die beide in diesem Jahr aufs Parkett gingen. Börsenreife misst die DG Bank nicht an der Größe eines Unternehmens, sondern an den Wachstumsaussichten. Dennoch sollte das Emmissionsvolumen zwischen 30 und 40 Millionen Mark liegen. Anderenfalls ist die Aktienliquidität in Gefahr - und dann schwanken die Kurse.

Gigabell enttäuscht Investoren

"Der Neue Markt ist keine Lizenz zum Gelddrucken", sagt David Stürken, Finanzkommunikationsberater bei Sea Dewe Rogerson, Düsseldorf. Auch wenn das jüngste Marktsegment ständig wächst, sei es nötig, genau hinzuschauen, welche Branchen Erfolg versprechen. "Am Neuen Markt trennt sich jetzt die Spreu vom Weizen", so Christoph Stanger. Die Anleger sehen sich die Kriterien für hoffnungsvolle Börsengänge sehr genau an. Angesichts von Talfahrten wie bei artnet.com und Gigabell überrascht dies nicht. Gigabell rangiert auch im November noch auf dem zweitschlechtesten Platz der Neuemissionen des Jahres. Unternehmen, die die Voraussetzungen für einen guten Börsengang nicht erfüllen, rät Stanger ab. Misserfolge sind schließlich auch für die Investoren enttäuschend. Und obwohl es trendy ist, einen Internettitel gut zu platzieren, ist das eben etwas schwieriger als das Surfen - versteht sich.

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