Wirtschaft : Internet-Unternehmen: Arbeitslos in der New Economy

Henrik Mortsiefer

Der Blick hinter die Kulissen des Internet-Buchhändlers Amazon hat schon immer überrascht. So viel Logistik, so viel Personal und so viel Handarbeit in einem Unternehmen, das man sich doch eigentlich als Beispiel der schlanken New Economy vorgestellt hatte. Bislang wurden die riesigen Lagerhallen und Fließbänder und das scheinbare Chaos im Amazon-Reich als Kuriosum abgetan. Doch die Massenentlassungen, die das Unternehmen jetzt vornehmen muss, provozieren einen anderen Eindruck: Amazon hat sich verhoben. Die vielen Mitarbeiter haben enorme Kosten produziert, die nicht recht zu den Verlusten passen wollten, die Quartal für Quartal die Bilanz dunkelrot gefärbt haben. Der Druck ist nun zu groß geworden, Amazon muss gegensteuern. An der Börse hat man die Geduld schon lange verloren. Die bitteren Folgen tragen die Mitarbeiter: Sie sind in den vergangenen Jahren nicht nur vergleichsweise schlecht bezahlt worden, sie verlieren jetzt auch noch ihren Job. Da gerät die Internet-Wirtschaft, in der doch alle Freunde sein wollten, plötzlich in Unordnung. Problemlos passt dazu die Nachricht, dass auch der deutsche Internethändler Letsbuyit.com 200 seiner 350 Mitarbeiter auf die Straße setzt.

Doch so eindeutig sind die Parallelen nicht. Amazon ist eine Weltmarke, mit der Milliarden umgesetzt werden - Letsbuyit.com ist ein besserer Mittelständler, der in der zweiten Finanzierungsrunde zu scheitern droht. Man sollte die Internet-Wirtschaft nicht in einen Topf werfen. Es kommt mehr denn je auf die Geschäftsmodelle an. Dass auch einem Buchhändler im Netz die Kosten davonlaufen können, sollte niemanden überraschen. Es muss nun eben genauer gerechnet werden. Amazon verkörpert nach wie vor eine überzeugende Geschäftsidee, Letsbuyit.com und viele andere tun es nicht. Das freilich ist in schwacher Trost für die ersten Arbeitslosen der New Economy.

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