Wirtschaft : Internet World: Messe spürt Krise nicht

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Trotz der Krisenstimmung in der Internetbranche hat sich die Zahl der Aussteller auf der fünften Internet World zum vierten Mal in Folge verdoppelt. "Die Pixelrevolution geht weiter", sagte Siegmar Mosdorf (SPD), Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium anlässlich der Eröffnung der Messe in Berlin. Die New Economy befinde sich in einer Normalisierungskrise, doch die deutsche Volkswirtschaft brauche die fundamentalen Veränderungen, die das Internet gebracht habe. "Wir dürfen uns nicht irritieren lassen. Der Lernprozess, der gerade stattfindet, ist sehr wichtig, auch für junge Unternehmen", sagte Mosdorf. Die Veränderungen beträfen auch längst nicht mehr nur die Internetfirmen selbst, sondern seien auch in der klassischen Industrie zu spüren. Auf der Internet World sei diese Symbiose von New und Old Economy zu beobachten. "Die klassischen Branchen sind daran interessiert, mit den Start-ups zusammenzuarbeiten."

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Internet World 2001 Das spiegelt sich auch in der Liste der Aussteller wider. Tatsächlich seien einige Anmeldungen von Firmen der New Economy wieder storniert worden, sagte Michaela Voltenauer, Geschäftsführerin des Veranstalters Communic GmbH. "Aber wir sind keine Dot.com-Messe. Immer mehr Unternehmen der Old Economy präsentieren sich hier", sagte Voltenauer. Zudem habe sich die Struktur der Aussteller verändert. Im vergangenen Jahr habe der Anteil der E-Commerce-Anbieter bei 50 Prozent gelegen. Dieser Anteil sei in diesem Jahr deutlich zurückgegangen. Dafür sei die Zahl der Aussteller im Bereich Inhalte, M-Commerce und Sicherheitslösungen gestiegen.

Im Jahr 2000 sei der Markt für Informations- und Telekommunikationstechnik (ITK) um elf Prozent gewachsen, sagte Mosdorf, bei einem Umsatz von etwa 250 Milliarden Mark. In diesem Jahr werde ein Wachstum von noch einmal fast zehn Prozent erwartet. "Diese Zuwachsraten sind größer als in den USA." Die Branche sei mittlerweile zur viertstärksten Branche in der deutschen Wirtschaft nach der Automobilindustrie, dem Maschinenbau und der Elektrotechnik aufgestiegen. "In wenigen Jahren wird sie Platz eins einnehmen", sagte Mosdorf, wobei allerdings die Grenzen zwischen den einzelnen Branchen zunehmend verschwinden würden.

Die schwierige weltwirtschaftliche Situation und das gebremste Wachstum in den USA habe auch ihren Effekt auf die New Economy, sagte Mosdorf. In diesem Jahr geht die Bundesregierung nur noch von einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent in Deutschland aus. "Wir werden alles tun, um die nachhaltige Wachstumsentwicklung zu fördern", sagte Mosdorf. Deutschland habe nur eine Chance, sich im internationalen Wettbewerb durchzusetzen: durch einen Vorsprung an Wissen. "Es findet ein massiver Wettbewerb um die größten Talente statt." Deutschland müsse sich bemühen, die Niederlassungen renommierter Universitäten ins Land zu holen. Die Region Berlin/Brandenburg sei auch wegen ihre Nähe zu Osteuropa dafür ideal geeignet. "Wir müssen Spitzenleistungen aus Forschung und Ausbildung zu uns holen", sagte Mosdorf.

Der Leiter der Internet-Kommission der CDU und Geschäftsführer von Scholz & Friends Berlin, Thomas Heilmann, kritisierte jedoch, dass die Förderung der Bundesregierung nicht über Einzelmaßnahmen hinausgehe. Schulen ans Netz zu bringen sei zu wenig. Neben der Technik komme es vor allem darauf an, auch die Lehrer entsprechend auszubilden, damit die Technik auch sinvoll genutzt werden könne.

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