Internet : Yahoo bietet Hilfe für chinesische Menschenrechtler

Mit einem Fonds will Yahoo Menschen helfen, die sich im Internet für Menschenrechte und Meinungsfreiheit eingesetzt haben und dafür von der chinesischen Justiz verurteilt wurden.

San FranciscoDie Internetfirma Yahoo hat einen Fonds aufgelegt, der Opfern chinesischer Internet-Zensur helfen soll. Wie der Fondsverwalter, der bekannte chinesische Dissident und Menschenrechtler Harry Wu am Mittwoch sagte, soll das Geld Menschen helfen, die von der chinesischen Justiz verurteilt wurden, weil sie sich im Internet für Meinungsfreiheit und Menschenrechte einsetzten. Im Mittelpunkt stünden dabei vor allem diejenigen, die Yahoo-Dienste in Anspruch genommen hätten. Zur Fondssumme wollte sich Wu, der selbst 19 Jahre in chinesischen Arbeitslagern verbüßte, nicht äußern.
  
Das Geld soll Familien verurteilter Dissidenten helfen, sagte Wu, der heute in den USA lebt. Außerdem soll es in die Menschenrechtserziehung in China und im Ausland fließen. "Wir konzentrieren uns auf Menschenrechtsverletzungen in China", führte Wu aus und nannte unter anderem auch illegale Organtransplantationen, öffentliche Hinrichtungen, Arbeitslager und die dort hergestellten Exportprodukte sowie Verstöße gegen die Religionsfreiheit. Yahoo-Chef Jerry Yang hatte die Fondsgründung im November angekündigt.

Klageschrift gegen Yahoo
  
Mitte November hatte Yahoo nach heftiger Kritik aus dem US-Kongress eine Klage von zwei inhaftierten chinesischen Journalisten durch einen Vergleich beigelegt. Der Klageschrift zufolge soll Yahoo den chinesischen Behörden Informationen übergeben haben, die zur Festnahme des Wirtschaftsjournalisten Shi Tao und des Internet-Bloggers Wang Xiaoning geführt hatten.
  
Die beiden Journalisten wurden zu jeweils zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Shi wurde 2004 inhaftiert. Der gegen ihn erhobene Vorwurf lautete auf Verrat von Staatsgeheimnissen. Shi hatte im Internet eine Behördenverordnung veröffentlicht, die Medienberichte zum Jahrestag des Massakers auf dem Tiananmen-Platz untersagte. Wang kam bereits 2002 wegen kritischer Schriften und E-Mails ins Gefängnis. Beide warfen Yahoo vor, für ihre Festnahmen und Folterung verantwortlich zu sein, indem das Unternehmen die chinesischen Behörden auf ihre Spur geführt habe. Yahoo wies jede Verantwortung zurück. Auch US-Kongressabgeordnete hatten Yahoo vorgeworfen, durch die Zusammenarbeit mit Peking, China bei der Unterdrückung von Regierungskritikern zu unterstützen. (mpr/AFP)

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