Wirtschaft : Internethandel: @-Apotheke geschlossen

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1 : 0 für die deutschen Apotheker: Das Landgericht Frankfurt (Main) hat der holländischen Internet-Apotheke DocMorris.com in einer einstweiligen Verfügung verboten, ihre verbilligten Medikamente weiter an deutsche Kunden zu verschicken. Das Gericht begründete die Entscheidung damit, dass beim Internethandel mit Medikamenten Beratung und Verbraucherschutz nicht ausreichend gewährleistet seien und sieht einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz und das Heilmittelwerbegesetz. Sollte DocMorris sich dem Urteil widersetzen, droht ein Ordnungsgeld in Höhe von 50 000 Mark. Das Urteil in der Hauptsache steht noch aus.

DocMorris-Marketingchef Jens Apermann reagierte gelassen. "Das ist ein Etappensieg - sonst nichts", sagte er dem Tagesspiegel. Das Landgericht habe gegen die Interessen von 80 Millionen deutschen Verbrauchern und für die Geldbeutel der deutschen Apotheker entschieden. Er sieht sich weiter im Recht und verweist auf die Warenverkehrsfreiheit der EU. Apermann ist zuversichtlich, dass DocMorris die Hauptverhandlung gewinnen wird. Ein genauer Termin stehe noch nicht fest. Die Internet-Apotheke will den Instanzenweg ausschöpfen.

Der Deutsche Apothekerverband, der gegen DocMorris geklagt hatte, begrüßte das Urteil. "Die Rechtssicherheit ist wieder hergestellt", sagte der Vorsitzende des Verbandes, Stefan Keller, dem Tagesspiegel. Er wertete das Urteil als Sieg für den Patientenschutz und die Arzneimittelsicherheit. Die Patientensicherheit sieht er dadurch bedroht, dass Arzneimittel im Internet nicht immer im Original versendet würden. Auch die Wettbewerbsverzerrung sei durch die einstweilige Verfügung gestoppt worden. Die Tatsache, dass DocMorris nicht die in Deutschland vorgeschriebene Zuzahlung von seinen Kunden verlangt, sei ein unzulässiger Wettbewerbsvorteil. Sollten deutsche Krankenkassen ihren Kunden weiter empfehlen, Medikamente im Ausland zu bestellen, behält sich der Apothekerverband rechtliche Schritte vor. "Wer dagegen verstößt, muss damit rechnen, dass wir dagegen vorgehen", sagte Keller.

Bis das Urteil rechtswirksam zugestellt ist, will die holländische Apotheke ihre deutschen Patienten weiter beliefern. Marketingchef Apermann deutete an, dass sich die Internet-Apotheke der einstweiligen Verfügung möglicherweise nicht beugen wird. "Da überlegen wir noch." DocMorris (www.0800DocMorris.com) war im Juni gestartet und hat nach eigenen Angaben zurzeit 10 500 Kunden in Europa, davon 80 Prozent in Deutschland. Medikamente würden im Schnitt bis zu 20 Prozent unter den deutschen Apothekerpreisen angeboten (AZ 2-030365/00 und AZ 2-030366/00).

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