Internetkonzerne mit Problemen : Microsoft und Google enttäuschen

Immer mehr Nutzer gehen mobil ins Netz, doch Microsoft und Google profitieren kaum davon. Die jüngsten Geschäftszahlen enttäuschen die Börse.

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Die Farben des Internets. Google verdient mehr, macht mehr Umsatz und hat 54,4 Milliarden Dollar in der Kasse. All das reicht der Börse jedoch nicht. Foto: Reuters
Die Farben des Internets. Google verdient mehr, macht mehr Umsatz und hat 54,4 Milliarden Dollar in der Kasse. All das reicht der...Foto: REUTERS

Die Analyse von Microsofts neuer Finanzchefin Amy Hood ist hart und klar: „Wir wissen, dass wir besser werden müssen.“ Die Investoren sehen das auch so: Nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen stürzte die Microsoft-Aktie am Freitag an der Frankfurter Börse um mehr als acht Prozent ab. Dabei war Microsoft nicht das einzige US-Technologieunternehmen, das die Börse enttäuschte: Auch Google verfehlte die Erwartungen der Analysten. Die Aktie des Suchmaschinenkonzerns verlor daraufhin in Frankfurt rund vier Prozent.

So unterschiedlich die Geschäftsmodelle beider Unternehmen sind, derzeit haben beide Probleme mit der Hardware: Für Microsoft ist das um so schwerwiegender, als das Unternehmen sich nicht mehr als reiner Softwarehersteller versteht, sondern als Anbieter von Geräten (von der Spielekonsole bis zum Tablet) und Diensten. Doch in der aktuellen Phase des Umbruchs in der Computerwelt – weg von stationären hin zu mobilen Geräten – gehört Microsoft nicht zu den Gestaltern, sondern hinkt Konkurrenten wie Apple, Google oder Samsung hinterher.

Schrumpfender Markt

Dabei trifft der Wandel Microsoft in doppelter Weise: Zum einen weil die PC-Verkäufe rückläufig sind und so der Absatz des bisherigen Geldbringers, des Betriebssystems Windows, schwächelt. Die Marktforschungsfirmen Gartner und IDC haben ermittelt, dass die Auslieferungen von PCs im abgelaufenen Quartal um etwa elf Prozent gefallen sind. Damit schrumpfte der Markt in fünf aufeinanderfolgenden Quartalen – die längste Schwächeperiode bisher. Zum anderen musste Microsoft im abgelaufenen Quartal 900 Millionen Dollar (687 Millionen Euro) auf die unverkauften Bestände seines Tablets Surface abschreiben. Das Gerät ist zeitgleich mit dem Betriebssystem Windows 8 im Oktober eingeführt worden und verkauft sich trotz drastischer Preissenkungen schlecht. Als Lichtblick hob die seit Mai amtierende Finanzchefin Amy Hood eine „weiterhin starke Nachfrage nach Angeboten für Firmenkunden und die Cloud“ hervor. Dadurch konnte Microsoft in seinem vierten Geschäftsquartal (April bis Juni) seinen Umsatz noch um zehn Prozent auf 19,9 Milliarden Dollar steigern (15,2 Miliarden Euro). Unterm Strich stand ein Gewinn von knapp fünf Milliarden Dollar. Im gesamten Geschäftsjahr stieg der Umsatz um sechs Prozent auf 77,9 Milliarden Dollar. Unterm Strich verdiente Microsoft 21,9 Milliarden Dollar in zwölf Monaten.

Google konnte seinen Umsatz im Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 Prozent auf 14,1 Milliarden Dollar (10,7 Milliarden Euro) steigern. Der Gewinn unterm Strich wuchs um 16 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar. Allerdings wäre das Ergebnis noch besser ausgefallen, hätte die Handytochter Motorola nicht erneut mit einem Verlust abgeschlossen. Außerdem stiegen die Kosten für Neuentwicklungen und Marketing. Konzernchef Larry Page zeigte sich dennoch zufrieden. „Google hatte ein großartiges Quartal“, bilanzierte er am Firmensitz im kalifornischen Mountain View.

Analysten beunruhigt

Die Analysten hatten dagegen noch bessere Zahlen erwartet. Sie beunruhigt, dass die Preise für Online-Anzeigen sinken, denn sie sind Googles Haupteinnahmequelle. Im abgelaufenen Quartal überwiesen die Werbekunden im Schnitt sechs Prozent weniger Geld an den Suchmaschinenkonzern, wenn ein Nutzer auf eine Anzeige klickte. Damit verschärfte sich der Preisrückgang, denn im vorangegangenen Quartal hatte das Minus nur vier Prozent betragen. Google bekommt damit – ähnlich wie Facebook – zu spüren, dass immer mehr Nutzer über mobile Geräte ins Internet gehen. Auf den kleineren Bildschirmen ist es aber schwieriger, Anzeigen zu platzieren, die dort auch billiger sind.

Der Handyproduzent Motorola, den Google vor einem Jahr für 12,5 Milliarden Dollar kaufte, liegt im Wettbewerb mit Samsung und Apple weit zurück und wies vor Sonderposten einen Verlust von 218 Millionen Dollar aus – nach einem Minus von 49 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Google baut tausende Stellen bei Motorola ab, um das Unternehmen wieder in die Gewinnzone zu bringen.

Mit 54,4 Milliarden Dollar ist Googles Kasse aber weiter prall gefüllt. Und so kündigte Konzernchef Page an, weiter Geld in neue, mitunter auch riskante Projekte stecken zu wollen. Zuletzt hatte er im Juni die Verkehrs-App Waze für eine geschätzte Milliarde Dollar gekauft. Mit dem Dienst des israelischen Start-ups können sich Nutzer gegenseitig über die Verkehrslage informieren.

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