Internetpionier : AOL versucht Neustart an der Börse

Der 2001 als Jahrhundertfusion gefeierte Zusammenschluss von Time Warner und AOL ist seit Donnerstag endgültig Vergangenheit. Nach acht erfolglosen Jahren unter dem Konzerndach des Medienkonzerns startete der Internetpionier AOL am Donnerstag ein zweites Mal selbstständig an der Börse.

Berlin -  Am Mittwoch war AOL dafür formell aus dem Konzern herausgelöst worden.

Time Warner zieht damit den Schlussstrich unter einen sehr teuren Fehlschlag. Nach dem Platzen der Internetblase hatten die beiden Unternehmen statt gemeinsamer Erfolge im globalen Mediengeschäft gigantische Verluste verbucht. Das Bündnis galt schnell als gescheitert. Der anfangs auf 350 Milliarden Dollar geschätzte Börsenwert schmolz zusammen. Noch zuletzt hatte Time Warner auch wegen AOL einen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Der Überschuss fiel im dritten Quartal um fast 40 Prozent auf 661 Millionen Dollar (444 Millionen Euro). Zum Kerngeschäft von Time Warner gehören TV-Sender („CNN“), Magazine („Time“, „Fortune“) oder Filmstudios („Warner Brothers“). Die Internetsparte leidet seit längerem unter sinkenden Nutzerzahlen sowie niedrigen Werbeeinnahmen und wies in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen heftigen Umsatz- und Gewinnrückgang aus.

Der Leidensdruck bei Time Warner war so groß, dass der Konzern AOL an seine Anteilseigner verschenkt: Für jeweils elf Time-Warner-Aktien erhalten die Aktionäre ein neues AOL-Papier zuzüglich einer Quartalsdividende von 0,1875 Dollar je Anteilsschein.

Nach der Loslösung muss AOL sein Geschäft teuer umbauen. Im November hatte AOL angekündigt, rund 2500 Stellen – ein Drittel aller Arbeitsplätze – zu streichen. Die Kosten sollen dadurch um 300 Millionen Dollar pro Jahr sinken. Die Restrukturierung soll zunächst rund 200 Millionen Dollar kosten. dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar