Internetverbindungen : Autobahn bis in die Wohnung

Zuhause ist das Internet häufig langsam. Deswegen startet die Telekom neuartige Glasfaseranschlüsse – andere Anbieter sind weiter.

von
Licht, das leitet. Die optische Datenübertragung in Glasfasernetzen macht wesentlich höhere Übertragungsraten möglich als mit den alten Kupferleitungen.
Licht, das leitet. Die optische Datenübertragung in Glasfasernetzen macht wesentlich höhere Übertragungsraten möglich als mit den...Foto: IMAGO

Berlin - Eigentlich geht es nie schnell genug. Zwar werden die Internetverbindungen immer leistungsfähiger. Doch noch schneller steigt die Zahl der Anwendungen, die immer größere Datenmengen verschlingen. „Der Bedarf an Bandbreite steigt kontinuierlich“, sagt Manfred Breul vom Hightechverband Bitkom. Wer sich etwa ein Video in hoher Auflösung aus dem Netz herunterlädt, möchte den Film gleich sehen und nicht auf den fertigen Download warten, um ruckelfreie Bilder zu haben. Die Telekom startet am heutigen Dienstag ein Pilotprojekt in Hennigsdorf bei Berlin, wo Internetanschlüsse mit einer Bandbreite von mehr als 100 Megabit pro Sekunde möglich sein werden.

Die neue Technik heißt „Fiber to the Building“ oder „Fiber to the Home“, dabei werden leistungsfähige Glasfaserkabel bis in die Gebäude oder sogar in die Wohnungen verlegt. So können wesentlich höhere Bandbreiten erzielt werden als die bis zu 50 Megabit, die die Telekom bisher über VDSL anbietet. Hier reichen die Glasfaserkabel nur bis zu den Verteilerpunkten an der Straßenecke. Danach folgen Kupferkabel. In Deutschland will die Telekom von 2010 bis 2012 rund zehn Milliarden Euro investieren, um den Kunden mehr Geschwindigkeit bieten zu können. Ziel ist es, dass bis zum Jahr 2012 rund zehn Prozent aller Haushalte in Deutschland mit Glasfaser versorgt werden. „Deutschland hat in den vergangenen Jahren in Sachen Breitbandausbau massiv zugelegt“, sagt Breul vom Bitkom. „Doch einige Länder etwa in Skandinavien sind speziell beim Glasfaserausbau schon weiter.“ Das liege aber zum Teil auch daran, dass der Ausbau von staatlicher Seite massiv unterstützt worden sei. „Deutschland ist beim Breitband durchaus wettbewerbsfähig, aber es liegt unbestritten auch noch eine Menge vor uns.“

Auf etwa 40 Milliarden Euro werden die Kosten für den Glasfaserausbau in den kommenden Jahren geschätzt, wobei die tatsächliche Höhe der Kosten maßgeblich davon abhänge, wie intelligent und wie schnell der Ausbau vorangetrieben werde, sagte Breul. „Wenn wir Synergien beim Ausbau nutzen und zum Beispiel bei jedem Straßenbau oder jeder Verlegung eines Wasserrohrs gleich ein Leerrohr für Glasfaser mitverbaut wird, kann man die Kosten enorm drücken.“ Die Tiefbaukosten machen beim Glasfaserausbau 70 Prozent, einige Unternehmen sprechen von bis zu 85 Prozent, der Kosten aus.

Die Telekom ist nicht das einzige Unternehmen, das die Datenautobahnen vorantreibt. Es mache in ländlichen Regionen zwar meist keinen Sinn, mehrere Glasfaserinfrastrukturen parallel zu bauen, sagte Bitkom-Experte Breul. Vorteilhaft für den Verbraucher sei es jedoch, wenn unterschiedliche Zugangstechniken miteinander konkurrierten.

So bieten Kabelnetzbetreiber über das TV-Kabel bereits Internetanschlüsse mit einer Bandbreite von bis zu 100 Megabit an. Technisch sind Geschwindigkeiten bis zu 400 Megabit möglich. In Berlin startet Telecolumbus am Montag ein neues Angebot: Dann zahlt der Kunde für den 100-Megabit-Internetanschluss plus Internet- und Telefonflatrate sowie Digital-TV 79,99 Euro im Monat. 250 000 Haushalte können das Angebot nutzen. Auch mit der neuen Mobilfunktechnik LTE lassen sich weit höhere Übertragungsraten als mit VDSL erreichen.

In anderen deutschen Städten wie etwa Köln, München oder Hamburg, wo die Telekom sehr starke lokale Wettbewerber hat, haben diese bereits damit begonnen, Glasfaser bis in die Häuser ihrer Kunden zu verlegen. M-Net in München hat 2009 mit dem nach eigenen Angaben größten Ausbauprojekt begonnen. Bis 2013 sollen insgesamt mehr als 30 000 Gebäude, die wiederum mehr als 300 000 Haushalte beherbergen, über einen direkten Glasfaserzugang verfügen können. Dafür investieren M-Net und die Stadtwerke München 250 Millionen Euro. Allein für einen Meter Tiefbau im Stadtgebiet (Baggerarbeiten, Rohre verlegen, Bürgersteige wieder versiegeln) fallen in etwa 110 bis 120 Euro an.

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben