Wirtschaft : Intershop: Dem Jenaer Softwarehaus bricht das Geschäft in Amerika weg

Ein Ende der seit Wochen anhaltenden Negativnachrichten aus dem Technologie- und Kommunikationsmarkt ist nicht in Sicht. Obwohl sich die Technologiewerte des Deutschen Aktienindex Dax und auch der Neue Markt am Montag von Vorwochenverlusten erholen konnten, überschattete eine Umsatzwarnung des Software-Herstellers Intershop AG den Börsentag.

Zum Thema Online Spezial: New Economy Das auf E-Commerce spezialisierte Jenaer Softwarehaus erwartet im ersten Quartal statt 30,2 Millionen Euro (59 Millionen Mark) Umsatz nur noch 18 bis 20 Millionen Euro. Die Ergebnisse würden nach wie vor von der konjunkturellen Schwäche und längeren Vertriebszyklen vor allem in den USA und Asien geprägt, begründete das Management die revidierte Umsatzprognose. Das operative Ergebnis soll sich durch Kosteneinsparungen etwa auf dem Verlust-Niveau des vierten Quartals 2000 von 33,4 Millionen Euro bewegen, hieß es in der Pflichtmitteilung. "Unsere Situation in Nordamerika bleibt schwierig", sagte Firmengründer und Vorstandschef Stephan Schambach. Er hatte nach dem Debakel im vierten Quartal, das vor allem mit der Investitions-Zurückhaltung von US-Kunden begründet worden war, die Verantwortung für das operative Geschäft an Finanzvorstand Winfried Beeck übertragen. Die Papiere des einstigen Börsenstars fielen um bis zum Abend um 16,3 Prozent auf 3,85 Euro. Vor dem dramatischen Einbruch zu Jahresbeginn hatte der Kurs bei über 30 Euro gelegen.

Schlechte Nachrichten kamen auch von dem an der deutschen Börse gelisteten US-Spielwarenhändler Toys International. Das Unternehmen muss nach eigenen Angaben möglicherweise ein Insolvenzverfahren beantragen, wenn er keine weiteren Kredite bekommt. Die Firma stehe mit einem Kreditgeber in Verhandlung, um im Rahmen bestehender Kreditvereinbarungen weitere Mittel zu erhalten, teilte das Unternehmen mit Sitz in Kalifornien mit. "Im Falle, dass weitere Kreditmittel nicht gewährt werden oder kein strategischer Partner oder Investor bald gefunden werden kann, besteht die Gefahr, dass die Firma ein Insolvenzverfahren einleiten muss".

Das Trierer Kommunikationsunternehmen Herzog Telecom AG hat am Montagmorgen beim Amtsgericht Trier wegen Liquiditätsproblemen das Insolvenzverfahren sogar schon beantragt. Wie Aufsichtsratsvorsitzender Günther Hoffmann sagte, ist im vergangenen Jahr die Zahl der Abschlüsse mit Mobilfunkkunden gesunken. Das Unternehmen habe deshalb auf die "wesentlichen Provisionen bei 24-Monats-Verträgen" verzichten müssen.

Die deutschen Aktien hatten am Montag trotz der negativen Nachrichten einen gelungenen Start in die neue Woche. Der Dax stand am Abend bei 5732 Punkten, ein Plus von 3,85 Prozent. Der Nemax 50 am Neuen Markt gewann sogar satte 5,18 Prozent auf 1605 Punkte. Händler warnten jedoch vor zu viel Euphorie: Es sei die Frage, ob der Boden gefunden sei. Möglicherweise erreicht der Index die 5800-Punkte-Marke, sagte ein Händler. Danach könnte es auch noch einmal abwärts gehen.

Anzeichen dafür sahen die Händler unter anderem darin, dass sich die Hersteller von Personal Computern in den kommenden Monaten verstärkt einen Preiskampf liefern könnten. Nach einer Studie des US-Marktforschungsinstituts Gartner Dataquest werden Direktvermarkter wie Dell und Gateway ihre Gewinnspannen senken, um billiger anbieten und den Konkurrenten Compaq, Hewlett-Packard und IBM Marktanteile abzunehmen zu können. Die Entwicklung bedeute ein weiteres Problem für die Computerindustrie: Sie müsste nicht nur die schlechte Konjunktur in den USA, sondern auch den Preiskampf verkraften.

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