Wirtschaft : Intershop: Der gute Ruf ist ramponiert

Henrik Mortsiefer

Stephan Schambach wird gerne vorgezeigt: Der Jenaer Unternehmer ist jung, erfolgreich und er repräsentiert in Personalunion den wirtschaftlichen Aufbau der neuen Bundesländer und die Vision einer von Deutschen mitgeprägten Internet-Ökonomie. Ziemlich viel Bedeutung für einen allein. Zu viel? Am Dienstag sah es so aus. Als Intershop mit einer Gewinnwarnung die Börse schockte, wurden die Aktien des Software-Anbieters kurzerhand fallen gelassen. Schambach ging auf Tauchstation und schickte seinen Finanzvorstand ins Medien-Feuer. Die Botschaft: Auch Intershop verfehlt seine Ziele.

Dass ausgerechnet ein "Standardwert" am Neuen Markt so enttäuscht, hat viele an der Börse überrascht. Galt das Unternehmen nicht längst als krisenfester Marktführer? Nach dem ersten Warnschuss im vergangenen Herbst, als Intershop die Gewinnaussichten korrigierte, hatten die meisten geglaubt, das Gröbste sei überstanden. Nun lässt das Unternehmen viele Hoffnungen fahren. Das Image eines der innovativsten deutschen Internet-Unternehmen ist ramponiert. Und das Versprechen, in diesem Jahr Versäumtes aufzuholen und am US-Markt Fuß zu fassen, zählt am Neuen Markt derzeit wenig: Ankündigungen will keiner mehr hören, Zahlen - am besten schwarze - müssen her. Vor Panikmache sei allerdings gewarnt. Intershop beackert als eines der wenigen an der Nasdaq notierten deutschen Unternehmen den heißen E-Commerce-Markt in den USA. Gegen die dortige Konkurrenz und die etablierten Lieferantenbeziehungen ist ein Erfolg über Nacht nicht zu haben. Intershop ist weit gekommen, braucht aber mehr Zeit als erwartet. Stephan Schambach sollte sie nicht vertun. Er hat einen guten Ruf zu verlieren.

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