Wirtschaft : Intershop muss kämpfen

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Von Corinna Visser

Die Erwartungen sind sehr bescheiden geworden. Das Softwareunternehmen Intershop aus Jena schreibt erstmals seit eineinhalb Jahren in einem Quartal wieder schwarze Zahlen im operativen Geschäft, und schon macht der Börsenkurs kurzzeitig einen Sprung um fünf Prozent. Kein Grund übermütig zu werden, sagt selbst der Vorstand. Denn die Aussichten bleiben trübe.

Intershop – einst immer wieder gern als ein Aushängeschild der ostdeutschen Internetwirtschaft bezeichnet – hat gleich mit zwei negativen Trends zu kämpfen. Zum einen haben die Unternehmen immer noch nicht begonnen, schon lange aufgeschobene Investitionen in neue Software und Computertechnik nachzuholen. Und so miserabel die Stimmung gerade ist, werden sie die Investitionen auch noch weiter hinauszögern.

Zweitens arbeitet Intershop in einem Bereich, wo die hoch geschraubten Erwartungen am nachhaltigsten enttäuscht wurden. Intershop entwickelt Software für den Betrieb von OnlineShops. Zwar gibt es inzwischen Anbieter, die im Netz profitabel arbeiten. Aber nicht so viele, wie es im Boomjahr 2000 noch erwartet wurde. Der Markt ist kleiner als ursprünglich gedacht und Intershop muss ihn sich mit namhafteren Konkurrenten wie etwa SAP und Oracle teilen.

Intershop hat reagiert. Die hochfliegenden Pläne für eine Expansion in die USA sind ad acta gelegt. Im vergangenen Jahr musste etwa ein Drittel der Belegschaft das Unternehmen verlassen. Das Programm zur Senkung der Kosten zeigt erste Erfolge. Nur so hat Intershop eine Chance – wenn es gelingt, die Kosten weiter zu drücken und den Umsatz kontinuierlich zu steigern. Trotzdem werden sich immer weniger Anleger für das Unternehmen interessieren, denn nach der Neuordnung der Börse wird Intershop in keinem Index mehr auftauchen. Aus der schillernden New-Economy-Firma ist ein mittelständisches Unternehmen geworden, das auf dem Weg ist, solide zu werden.

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