Wirtschaft : Intershop: Softwarehersteller trotz schwachem ersten Quartal optimistisch

Der Softwarehersteller Intershop Communication AG will sich gegen eventuelle Liquiditätsengpässe absichern. Auf der für Mittwoch anberaumten Hauptversammlung des am Frankfurter Neuen Markt und der US-Technologiebörse Nasdaq gelisteten Unternehmens will der Vorstand die Zustimmung der Aktionäre für Wandelschuldverschreibungen einholen. Intershop könnte dann bis zum Jahr 2006 bis zu 500 Millionen Euro am Kapitalmarkt aufnehmen. "Das bedeutet aber nicht, dass wir diesen Rahmen ausschöpfen wollen", sagte Finanzvorstand Wilfried Beeck. Doch nach der drastischen Gewinnwarnung am 2. Januar diesen Jahres und dem darauf folgenden Absturz des Aktienkurses will das Unternehmen sich jetzt gegen alle Eventualitäten absichern. Ende März verfügte das Unternehmen über liquide Mittel in Höhe von knapp 76 Millionen Euro, der Verlust im operativen Geschäft lag im ersten Quartal bei 35,6 Millionen Euro.

Rund 3000 Intershop-Aktionäre haben sich für den Mittwoch in Hamburg angekündigt - und viele werden ihrem Ärger Luft machen wollen. "Wir erwarten nicht, dass wir für das vergangene Geschäftsjahr von den Aktionären Beifall erhalten werden", sagte Finanzvorstand Beeck. "Trotzdem sind wir der festen Überzeugung, dass Intershop das Schlimmste hinter sich hat", sagt Unternehmensgründer und Vorstandvorsitzender Stephan Schambach.

Die bei Intershop eingeleiteten Programme zur Kostensenkung griffen jetzt und die Auftragspipeline fülle sich wieder, sagte der Intershop-Chef. Niemand könne allerdings vorhersagen, wann die Ausgaben für E-Commerce-Software wieder anspringen würden: "Die Budgets sind vorhanden, doch die Unternehmen überlegen länger, bevor sie sich für eine Software entscheiden." Obwohl Intershop vor allem in den USA die gesteckten Umsatzziele verfehlt hat, bleiben die USA für Schambach auch weiterhin der wichtigste Markt. Oberstes Ziel von Intershop sei es, "im vierten Quartal 2001 profitabel zu werden". sagte Finanzvorstand Beeck.

Ross McMillan, Analyst bei Morgan Stanley Dean Witter, hält dieses Ziel allerdings für ehrgeizig. Zwar reduziere das Unternehmen die Kosten, aber die Ziele für die Einnahmen seien optimistisch. Klagen von Aktionären wegen einer angeblichen Verzögerung der Gewinnwarnung sieht Intershop unterdessen gelassen entgegen. "Keiner von uns Vorständen hat Aktien verkauft oder sich anders bereichert", sagte Beeck.

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