Wirtschaft : Intershop: Umsatzziel nach unten korrigiert

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Ein ehemaliger Börsenliebling macht erneut Negativ-Schlagzeilen: am Montag überraschte die Intershop Communications AG, Jena, mit einer Umsatzwarnung für das laufende Jahr. Wie das Unternehmen, das sich auf Software für den E-Business-Bereich spezialisiert hat, mitteilte, müsse man die Umsatzprognose für 2001 auf 80 Millionen Euro korrigieren - Analystenschätzungen lagen im Vorfeld rund zehn Millionen Euro höher. Nach der Bekanntgabe der Marktdaten brach die Inter-shop-Aktie zeitweise um 14,5 Prozent auf 1,42 Euro ein.

Die Unternehmensleitung begründete die drastische Umsatzkorrektur mit der "anhaltenden makroökonomischen Schwäche" und "den zurückhaltenden Unternehmensausgaben im IT-Bereich". Um dennoch wie geplant zu einem positiven Ergebnis im vierten Quartal zurückzukehren, will Inter-shop seine Belegschaft um 25 Prozent auf 790 Mitarbeiter reduzieren, allein am Konzernsitz in Jena werden von 550 Stellen 100 abgebaut. Die Restrukturierungskosten beziffert der Softwareanbieter auf 22 Millionen Euro.

Ob das einstige Vorzeigeunternehmen der deutschen Internetbranche die Trendwende zu schwarzen Zahlen schafft, wird von den Analysten bezweifelt. "Es dürfte sehr, sehr knapp werden", befürchtet Mattias Dürr von der Frankfurter DZ Bank. Dennoch sei die Restrukturierung ein Schritt in die richtige Richtung. Intershop passe lediglich die Kos-ten dem Umsatz an, was das Überleben des Unternehmens weiter sichere.

Im dritten Quartal verzeichnete Intershop in einem schwierigen Marktumfeld erneut geringere Umsatzerlöse als erwartet, konnte aber die Betriebskosten weiter deutlich reduzieren. Auch der Barmittelverbrauch ging nach Unternehmensangaben zurück und lag bei 12,6 Millionen Euro. Zum Ende des Quartals verfügte das Unternehmen über liquide Mittel in Höhe von 43 Millionen Euro. Die kompletten Zahlen für das dritte Quartal werden am 31. Oktober bekannt gegeben.

Die 1992 von vier jungen Thüringer Tüftlern in Jena gegründete Intershop Communications AG ist einer der führenden Anbieter von E-Business Lösungen für Großunternehmen. Zu ihren Kunden gehören nach eigenen Angaben einige der größten Unternehmen der Welt. Das ostdeutsche Unternehmen mit Zweigstellen in fast allen Regionen der Welt machte zuletzt im vergangenen Dezember und Januar Furore: Nachdem der Intershop-Vorstand zur Jahreswende eine Umsatz- und Gewinnwarnung herausgegeben hatte, stürzte der Kurs ins Bodenlose. Kritiker behaupten seitdem, dass die verantwortlichen Vorstände des Jenaer Unternehmens bereits Wochen vor der Gewinnwarnung gewusst hätten, dass die Kostenentwicklung nicht mit der Umsatzentwicklung Schritt halten würde. Kleinaktionäre in Deutschland und den Vereinigten Staaten haben auch gegen die Vorstände geklagt. Intershop weist diese Vorwürfe mit dem Hinweis zurück, man habe vor der Bekanntgabe der Gewinnwarnung keine exakte Übersicht über den Umfang der belastbaren Auftragsbestätigungen gehabt.

Das Unternehmen mit dem in Expertenkreisen hoch geschätzten Produkt zum E-Commerce gilt seit Monaten als Übernahmekandidat. Vor allem, weil Intershop der Aufbau eines effizienten Vertriebssystems nicht gelingt.

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