• Intershop: Unternehmen ein Übernahmekandidat - Analysten von Gewinnwarnung überrascht - "Verkauf zu spät"

Wirtschaft : Intershop: Unternehmen ein Übernahmekandidat - Analysten von Gewinnwarnung überrascht - "Verkauf zu spät"

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"Intershop ist nach dem Kurseinbruch ein Übernahmekandidat." Holger Grawe, Fondsmanager der WestLB Asset Management am Neuen Markt, sieht die Unabhängigkeit des deutsch-amerikanischen Software-Anbieters nach dem Absturz der Aktie bedroht. "Für einen E-Commerce-Anbieter aus den USA, der in Europa Fuß fassen will, ist Intershop jetzt eine preiswerte Adresse", sagt Grawe. Der Börsenwert liege nach der Talfahrt um bis zu 70 Prozent allein am Dienstag bei gut 3,5 Milliarden Euro - ein Zehntel der Marktkapitalisierung im März 2000. Als möglichen Käufer sieht Grawe das amerikanische Unternehmen Siebel Systems, das Software für die Kunden-, Verkaufs- und Marketingberatung entwickelt und Marktführer in diesem Bereich - dem so genannten Customer-Relationship-Management - ist.

Grawe, der zu den wenigen Neuer-Markt-Fondsmanagern zählt, hat Intershop am Dienstag dennoch nicht verkauft. Er will abwarten, welchen Ausblick das Unternehmen Ende Januar für das Jahr 2001 gibt. "Zum Verkaufen ist es ohnehin schon zu spät", meint Hartmut Höhn von der Berenberg Bank. Der Analyst stufte Intershop-Aktien nach der Gewinnwarnung - "eine Enttäuschung ohne Vorwarnung" - auf "halten" zurück. Die offenbar schwierige Markteintritt in den USA lässt Höhn auch an den Prognosen für 2001 zweifeln. Die Ankündigung von Finanzchef Wilfried Beeck, 2001 werde Intershop "definitiv Gewinne" erzielen, hält er inzwischen für ein "hehres Ziel".

Die Notierung an der US-Technologiebörse Nasdaq, mit der Intershop sich im September 2000 stärker in den Blickpunkt der amerikanischen Finanz- und Industrieanalysten rücken wollte, hat sich nach Meinung von WestLB-Mann Grawe als Marketingsmaßnahme ausgezahlt. Das US-Listing könnte allerdings auch die Übernahmefantasie anheizen, erleichtert es doch US-Investoren den Einstieg bei Intershop. Die Deutsche Bank stufte die Aktie am Dienstag ebenfalls zurück. "Mit dieser Gewinnwarnung hat das Management den letzten Rest seiner Glaubwürdigkeit verloren", sagte ein Analyst.

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