Wirtschaft : Intershop verfehlt seine Ziele

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Die Intershop Communications AG (Jena) hat am Mittwoch die Zahlen für das dritte Quartal bekannt gegeben - und die sehen nicht gut aus: der ehemalige Star der deutschen New Economy musste einen drastischen Umsatzeinbruch und hohe Verluste hinnehmen, so dass die Gewinnschwelle wohl frühstens 2002 erreicht wird. Die Börse quittierte das Ergebnis prompt mit einem Kursabschlag von mehr als sieben Prozent, am Nachmittag stand die Aktie bei 2,11 Euro (Vortag 2,28). Die Banken stuften die Anteile auf "reduzieren".

"Die Situation für Intershop ist und bleibt schwierig", erklärte Uwe Jech von der Bankgesellschaft Berlin. Allerorten würden die Unternehmen ihre Investitionen im IT-Bereich reduzieren, um Kosten zu sparen - davon sei Intershop mit seiner speziellen E-Commerce-Software besonders betroffen. Auch für das kommende Jahr rechnet der Analyst mit keiner relevanten Marktbelebung. Er rät von einem Einstieg ab. Für die Aktionäre des Software-Konzerns lautet seine Empfehlung "Engagement zurückfahren". Wer in den vergangenen Wochen eingestiegen sei, mache dann immer noch einen guten Gewinn. In der Tat notierte die Aktie am 11. September bei nur 1,17 Euro und stieg in den vergangenen Tagen bis auf 2,53 Euro.

Der Umsatz des Unternehmens sank im dritten Quartal auf 14,7 Millionen Euro, nach 22 Millionen Euro im Quartal davor. "Damit sind unsere bereits nach unten angepassten Erwartungen enttäuscht worden", berichtet Mattias Dürr von der Frankfurter DZ-Bank. Dürr war von 17,3 Millionen Euro Umsatz ausgegangen und lag damit im Mittel der allgemeinen Analystenschätzungen. Auch für den Rest des Jahres erwartet der Analyst keine großen Veränderungen beim Intershop-Geschäft, das Ergebnis des vierten Quartals werde nicht viel höher liegen als das am Mittwoch vorgelegte. "Der angepeilte Gesamtumsatz von 80 Millionen Euro wird nicht erreicht", lautet auch seine Einschätzung. Die Bankgesellschaft Berlin wird da genauer: "Wir gehen nur noch von 73 Millionen Euro Umsatz für das Jahr 2001 aus", sagte Jech.

Große Unbekannte in der Zukunft von Intershop ist die Ertragswende. Wann das Unternehmen die immer wieder angekündigten schwarzen Zahlen schreibt, ist weiterhin unklar. "Immerhin sind die Kosten wie erwartet gesenkt worden", macht Dürr eines der wenigen positive Signale aus. Der Netto-Verlust verringerte sich im dritten Quartal leicht von 24,7 auf 23,1 Millionen Euro - allerdings beinhaltet dies einmalige Kosten für das laufenden Sanierungsprogramm von 21,1 Millionen Euro. Die Belegschaft wurde von rund 1100 auf 768 reduziert.

"Damit ist die Restrukturierung abgeschlossen", so der DZ-Analyst. Aber um mit der nun erreichten Belegschaft ein positives Ergebnis erreichen zu können, müsste der Umsatz in der Größenordnung der erwarteten 80 Millionen Euro liegen - was nach seiner Meinung schwer werde. Die liquiden Mittel von rund 40 Millionen Euro würden noch für drei Quartale reichen, spätestens dann müsste der Turnaround geschafft werden. Ankurbeln will Intershop sein Geschäft nach dem Abbau des US-Vertriebsnetztes mit Partnern wie Hewlett-Packard.

Die Intershop Communications AG wurde 1992 von vier jungen Thüringer Tüftlern in Jena gegründet. Das Unternehmen ist einer der führenden Anbietern von E-Business-Lösungen für Großunternehmen

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