Wirtschaft : Intershop: Zu viel Optimismus beim Sofware-Hersteller

Antje Sirleschtov

Intershop wähnt sich schon wieder auf der Überholspur. Kaum fünf Monate ist es her, da mussten die Sofware-Hersteller aus Jena hoch fliegende Pläne radikal einkürzen. Auftragslöcher in Millionenhöhe mussten zugegeben, Geschäftspläne korrigiert werden. Und schließlich, wer wird es je vergessen: Kurz nach Neujahr straften die Aktionäre das wohl bekannteste Unternehmen der deutschen New Economy für seinen zu frühen Optimismus spektakulär ab. In zwei Tagen werden die Eigentümer zur Hauptversammlung erneut unternehmerische Visionen abfragen - und, als ob nichts gewesen wäre, wieder wird ihnen der große Durchbruch versprochen. Neue Kunden. Gewinne im vierten Quartal. Ein erfolgreiches Kostensenkungsprogramm.

Zweifel sind bei so viel Optimismus angebracht. Vor allem die frohe Ankündigung neuer Kundenkreise wirft Fragen auf. Beinahe überall in Europa und den USA haben die Unternehmen der Old Economy ihre Investitionspläne für die kommenden Monate verjüngt. Die unklare konjunkturelle Entwicklung und das nicht abschätzbare Kaufverhalten der Kunden zwingen beinahe alle Branchen zur Zurückhaltung. Auch Intershop wird es schwer fallen, große Aufträge für Software zu erhalten, mit der man im Internet handeln kann. Zumal gerade kleinere Betriebe - der Wunschmarkt für Intershop - im Web deutlich zurückhaltender geworden sind. Und nicht zu vergessen: Das Management in Jena steht noch immer im Verdacht, die Aktionäre zur Jahreswende nicht rechtzeitig vom Markteinbruch unterrichtet zu haben.

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