Wirtschaft : Interventionen können leicht verpuffen - Koordinierte Aktion wäre nötig (Kommentar)

Bernd Frank

Beim Rutsch unter die Dollar-Marke hielten sich viele noch zurück, aber inzwischen sprechen sich immer mehr Experten angesichts des ungebremsten Verfalls des Euro-Kurses für Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB) am Devisenmarkt aus. Allein das Gerücht, die EZB habe bereits am Markt eingegriffen, sorgte für eine leichte Erholung des Euro - allerdings nur für kurze Zeit. Können Interventionen überhaupt den Trend aufhalten oder sogar umkehren?

Wenn eine Notenbank interveniert, so verkauft sie aus ihren Devisenbeständen einen Betrag in der Währung, die ihr zu stark erscheint - in diesem Fall US-Dollar - und kauft dafür entsprechend die Währung, deren Kurs sie stützen will - also Euro. Die zusätzliche Nachfrage nach Euro hilft dem Kurs am Markt sicherlich kurzfristig auf die Sprünge. Die Wirkung kann aber schnell, das heißt nach zwei Tagen oder vielleicht schon nach zwei Stunden, wieder verpuffen. Denn der Devisenhandel hat eine Größenordnung, der die "Feuerkraft" einer Zentralbank eher schwach aussehen lässt: Täglich wechseln an den internationalen Devisenmärkten rund zwei Billionen Dollar die Besitzer; Banken und Investmenthäuser versuchen, Kursschwankungen kurzfristig auszunutzen und damit ihre Erträge aufzubessern. So hatte im Sommer 1999 die japanische Notenbank binnen eines Monats umgerechnet mehr als 30 Milliarden Dollar in Interventionen gegen den Yen-Anstieg zum Dollar "verpulvert" - nach kurzen Unterbrechungen stieg der Yen munter weiter.

Das Beispiel zeigt, dass eine einzelne Zentralbank gegen einen intakten Markttrend kaum eine Chance hat. Im Grunde müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein, wenn Interventionen zum Erfolg führen sollen: Sie müssen massiv in der Größenordnung und zwischen den betreffenden Notenbanken koordiniert sein, und sie müssen zum richtigen Zeitpunkt stattfinden. Im Fall des Euro heißt das, dass die EZB gemeinsam mit der amerikanischen Notenbank Dollar gegen Euro verkaufen und dazu einen Zeitpunkt abpassen sollte, zu dem der Markt unsicher geworden ist oder sich sogar eine Trendwende andeuten könnte. Wie an anderen Märkten, spielt auch hier die Börsenpsychologie eine wichtige Rolle. Von der EZB wird ein Signal erwartet, dass ihr der Außenwert des Euro wichtig ist und sie dem Kurstreiben nicht tatenlos zusehen will.

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