Interview : "Auf lange Sicht können wir sparen"

Der gesundheitspolitische Sprecher der Union über die technologischen Entwicklungen im Gesundheitssystem.

Foto: promo
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Herr Spahn, welche technologischen Entwicklungen werden das Gesundheitssystem künftig prägen?

Die Bio- und Gentechnologie birgt ein enormes Potenzial, in der Diagnostik wie in der Behandlung. Es gibt noch so viel Krankheit und Leid, gegen das bisher kein Mittel gefunden ist, etwa die Demenz. Ich setze da voll auf den Fortschritt.

Manche Pharmakonzerne setzen zunehmend auf personalisierte Medizin. Was bedeutet das für das Gesundheitssystem und für die Patienten?

Personalisierte Arzneien bedeutet vor allem enorme Chancen für kranke Menschen. Das heutige System funktioniert nach dem Prinzip „one fits all“, eines passt für alle. Das stimmt aber meist nicht, sondern die Menschen reagieren ganz unterschiedlich auf Medikamente. In der personalisierten Medizin können Arzneimittel und Behandlung dann auf den Einzelnen, seine Genetik und Unverträglichkeiten individuell zugeschnitten werden.

Was glauben Sie, wie sich durch diesen Trend die Kosten entwickeln werden?

Im ersten Schritt wird es teurer werden, denn viele neue Medikamente kosten in aller Regel mehr. Wir werden bei der Gelegenheit auch noch mal über die Zulassung reden müssen, ob jede neue individuelle Variation gleich ein neues Patent braucht. Auf lange Sicht aber kann das sogar Geld sparen, weil zielgenauer und erfolgreicher behandelt werden kann. Entscheidend wird aber dann noch viel mehr als bisher sein, tatsächliche Innovation von nutzlosen, teuren Scheininnovationen zu unterscheiden.

Was erwarten Sie generell von der Kostenentwicklung?

Die Gesundheitsversorgung wird in einer älter werdenden Gesellschaft, die den flächendeckenden Zugang zu medizinischen Innovationen will, teurer werden. Das ist die ehrliche Botschaft, die wir auch offen aussprechen müssen.

Ist die Gesundheitsreform zeitgemäß?

Ja, denn durch den Zusatzbeitrag schaffen wir den Einstieg in eine lohnunabhängige Finanzierung. Steigende Gesundheitskosten gehen nicht mehr zulasten steigender Arbeitskosten und der Sozialausgleich sorgt dafür, dass niemand finanziell überfordert wird. Das ist ein wichtiger Schritt zu einer breiteren Finanzierung der Krankenversicherung, um die Innovationen der Zukunft finanzieren zu können.

Was wünschen Sie sich für das Gesundheitssystem, das in dieser Reform fehlt?

Wir brauchen mehr Versorgungsforschung. Es fehlt vielfach an Wissen und Studien zu der Frage, wie gut oder schlecht die medizinische Versorgung in Deutschland in unterschiedlichsten Bereichen tatsächlich ist. Das wollen und müssen wir nächstes Jahr angehen.

Jens Spahn (30) sitzt seit 2002 für die CDU im Bundestag und ist seit 2009 gesundheitspolitischer Sprecher der Union im Bundestag. Die Fragen stellte Jahel Mielke.

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