INTERVIEW : „Das Ergebnis kann sich sehen lassen“

Herr Mehdorn spricht von einem der höchsten Tarifabschlüsse in diesem Jahr. Wie bewerten Sie den Bahnkompromiss in der Tariflandschaft 2007?

Zweifelsohne kann sich der Tarifabschluss auch im Vergleich zu anderen Abschlüssen dieses Jahres sehen lassen. Das liegt an der relativ hohen Pauschalzahlung, aber auch an der dauerhaft wirksamen Tariferhöhung von 4,5 Prozent. Man muss allerdings auch die Laufzeit von 19 Monaten in Rechnung stellen, die diesen Prozentsatz natürlich etwas relativiert. Wichtig ist auch, dass eine Verlängerung der tariflichen Wochenarbeitszeit verhindert werden konnte.

Der Tarifstreit ist erst beigelegt, wenn auch ein Abschluss für die Lokführer gefunden ist. Hat sich die Lage für die GdL für die am Freitag anberaumten Verhandlungen nach dem Kompromiss eher verbessert oder verschlechtert?

Das bleibt abzuwarten. Die GDL wird nun beweisen wollen, dass sie imstande ist, für ihre Mitglieder mehr herauszuholen. Entscheidend ist, ob die Deutsche Bahn AG bei ihrem kategorischen Nein zu einem gesonderten Tarifvertrag für das Fahrpersonal bleibt.

Die Piloten verhandeln seit langem allein für sich, letztes Jahr folgten die Ärzte und nun die Lokführer. Welche Folgen hat das für den Flächentarif, wenn einzelne Berufsgruppen ihre Interessen separat vertreten?

Die Aufspaltung der Flächentarifverträge hat langfristig Nachteile vor allem für die schwächeren Beschäftigtengruppen. Sie profitieren nämlich am meisten von einer solidarischen belegschaftsübergreifenden Tarifpolitik. Allerdings ist eine rasche Ausweitung dieser Separattarifverträge wenig wahrscheinlich: Sie funktionieren nur dort, wo durchsetzungsbereite Berufsgruppen mit einer Schlüsselposition in einem Unternehmen oder einem Tarifbereich vorhanden sind, die über einen schlagkräftigen Berufsverband verfügen. Diese Rahmenbedingungen sind nur selten gegeben.

Reinhard Bispinck,

ist Tarifexperte bei der Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen

Gewerkschaftsbundes (DGB) in Düsseldorf.

Mit Bispinck sprach Alfons Frese.

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