INTERVIEW : „Der normale Kaufhauskunde kauft kein Gucci“

Frau Mönig-Raane, ist Karstadt noch zu retten?

Ja.

Sie glauben an das Konzept des neuen Vorstandsvorsitzenden?

Ich glaube an den Zukunftspakt, den wir im vergangenen November verabredet haben und der unter anderem eine engere Zusammenarbeit zwischen denen, die im Verkauf stehen, und der Essener Zentrale vorsieht. Ferner muss die kurzatmige Finanzierung ein Ende haben, damit die Häuser in Ruhe weiterentwickelt werden können.

Zieht die Belegschaft nach all den Belastungen der vergangenen Jahre noch mit?

Dazu gibt es gar keine Alternative, denn wenn die Mitarbeiter den Glauben an die Zukunft des Unternehmens verlieren, wird es schwierig.

Offenkundig haben die Kaufhäuser keine Zukunft in Deutschland.

Das sehe ich nicht so. Die Erziehung der Deutschen zu Schnäppchenjägern und der Erfolg der Discounter haben den Warenhäusern natürlich geschadet. Dazu kommt, dass Karstadt auf zu vielen Hochzeiten getanzt und die Weiterentwicklung des Kaufhauskonzeptes vernachlässigt hat. Zur gleichen Zeit war Kaufhof dagegen mit dem Galeria-Konzept durchaus erfolgreich.

Und ausgerechnet die drei Luxushäuser in München, Hamburg und Berlin sollen jetzt verkauft werden.

Davon halte ich gar nichts. Aber die Strategie der Vergangenheit hat auch nicht gefruchtet: Unter dem Vorstandschef Thomas Middelhoff wurde viel Geld in die Premiumhäuser gesteckt, doch die Neuausrichtung ging am Mittelstand vorbei. Die normalen Kaufhauskunden kaufen eben kein Gucci.

Können Sie erklären, warum Middelhoff zum Abschied einen Bonus von 2,3 Millionen Euro bekam?

Das müssen Sie die Anteilseigner fragen. Für mich ist es jedenfalls eine Zumutung, dass es für den Verkauf der Immobilien einen Bonus gab. Ich werde beantragen, dass im Aufsichtsrat künftig alle Vertragsbestandteile der Vorstandsmitglieder offengelegt werden. Ich bin gespannt, wie sich die Kapitalseite dazu verhält. Ich war jedenfalls über den Bonus für Herrn Middelhoff nicht informiert.

Margret Mönig-Raane ist stellvertretende Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und Mitglied des Arcandor-Aufsichtsrats. Mit ihr sprach

Alfons Frese.

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