Interview : "Die Insolvenz ist noch nicht das Aus"

Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, über die Arcandor-Insolvenz, ihre Konsequenzen für die Hauptstadt und die Zukunft des KaDeWe.

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Nils Busch-Petersen. -Foto: privat

Herr Busch-Petersen, was bedeutet die Arcandor-Insolvenz für Berlin?



Jetzt werden die Karten neu gemischt. Die Insolvenz ist ja noch nicht das Aus, sondern kann den Weg öffnen für einen Neuanfang, für neue Verteilungsspiele. Ich gehe davon aus, dass die Läden offen bleiben. Die Hertie-Insolvenz hat uns vorgeführt, dass das über einen langen Zeitraum möglich ist.

Befürchten Sie eine Verödung der Bezirkszentren?

Ich denke, dass die Insolvenz dieses Risiko erhöht. Die Bürgermeister von Karstadt-Standorten betonen, dass die Warenhäuser Kundenmagneten sind, von denen die Nachbarschaft profitiert. Nur die richtige Mischung aus Groß und Klein hält die Innenstädte attraktiv, das ist auch eine Frage der Konkurrenzfähigkeit gegenüber der grünen Wiese. Aber Berlin hat die besten Voraussetzungen, dass es auch künftig eine Vielzahl Warenhausstandorte geben wird. Karstadt sitzt eher in den westlichen Bezirken, Kaufhof eher im Osten. Es gibt kaum Doppelstandorte.

Machen Sie sich Sorgen um das KaDeWe?

Das ist eine Klasse für sich, um dessen Perspektiven muss man sich die wenigsten Sorgen machen. Das KaDeWe ist ja nicht nur eine Marke, sondern steht auch für die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden und an die wechselnden Kundenbedürfnisse anzupassen.

Haben Warenhäuser noch eine Chance, trotz der angespannten Situation?

Die haben sie gerade wegen der angespannten Situation. Wer jetzt nicht seine Konzepte auf den Prüfstand stellt, überlebt das nächste Jahr nicht. Das Warenhaus an sich hat viele Perspektiven, es darf nur kein Modernisierungsstau auftreten. Die Galeria Kaufhof am Alex ist das beste Beispiel dafür, wie ein modernes Großstadt- und Weltstadt-Warenhaus aussehen sollte, ebenso das neue Karstadt-Haus in der Schloßstraße. Weg von Grabbeltischen, zugestellten Gängen, unübersichtlichen Etagen. Die Shopping-Center haben uns vorgemacht, dass das Einkaufserlebnis durch einen gewissen Anteil an Gastronomie erhöht werden kann. Oder dass es sinnvoll ist, Sitzgelegenheiten einzurichten. Solche Häuser laufen dann auch gut.

Nils Busch-Petersen, 46, ist seit 2005 Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg und damit der oberste Interessenvertreter des regionalen Einzelhandels. Das Interview führte Jan Oberländer.

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