Interview : "Die Konjunkturhilfen könnten verpuffen"

Bauindustriepräsident Bodner fordert eine schnelle Vergabe von Aufträgen und warnt vor einer voreiligen Rettung von Firmen.

Bodner
Herbert Bodner freut sich über das zweite Konjunkturpaket. -Foto: Thilo Rückeis

Herr Bodner, hat die Bauwirtschaft derzeit viele Neider?



Warum?

Die Bauwirtschaft gilt als größter Profiteur der Konjunkturprogramme der Bundesregierung. Andere Branchen sind da deutlich schlechter weggekommen.

Es stimmt zwar, dass das zweite Konjunkturprogramm 17 Milliarden Euro für Investitionen in die Infrastruktur enthält. Das Programm ist jedoch nicht zugunsten der Bauwirtschaft aufgelegt worden; es geht allein um den Abbau des öffentlichen Investitionsstaus. Gerade was diesen Teil des Programms betrifft, hat es wenig Disput gegeben und meines Erachtens auch keinen Neid. Es ist ja nahezu allgemeiner Konsens, dass viele der jetzt geplanten Investitionen schon lange überfällig waren.

Der Preis dafür ist allerdings, dass sich die öffentliche Hand weiter verschulden muss. Anders als bei deutlicheren Steuersenkungen – wie es sich etwa der Einzelhandel gewünscht hat – kommt das investierte Geld aber nicht unmittelbar im Portemonnaie der Bürger an.

Mit Investitionen in die Infrastruktur erzielen wir einen viel größeren konjunkturpolitischen Effekt als durch konsumfördernde Maßnahmen. Setzt man auf Infrastrukturinvestitionen, bleibt die Wertschöpfung im Inland, fördert man den Konsum, fließen die Mittel zum großen Teil ins Ausland ab. Im Übrigen: Wenn es legitim ist sich zu verschulden, dann für den Ausbau der Infrastruktur. Die nachfolgenden Generationen haben doch etwas davon, wenn Schulen und Straßen heute modernisiert werden. Sie müssen in Zukunft sogar weniger ausgeben.

Kritiker fragen sich, ob es überhaupt genügend baureife Projekte gibt, die man sofort angehen kann.

Das Gute ist ja, dass die beiden Konjunkturpakete einen Mix von Maßnahmen enthalten. Es gibt größere Projekte, die eine längere Vorbereitungszeit benötigen – und eher der Industrie zugute kommen. Daneben gibt es aber auch kleinere, kommunale Projekte, die schnell umsetzbar sind und vor allem von Bauhandwerksbetrieben ausgeführt werden können. An den Baubetrieben selbst soll es also nicht liegen. Es liegt nun an den Ländern und den Kommunen, dass die Projekte schnell in Gang kommen.

Die öffentliche Hand vertrödelt die Zeit?

Wir haben im Herbst 2008 die Erfahrung gemacht, dass vor allem Städte und Gemeinden auf die „Investitionsbremse“ getreten sind. Einfach nur, um das Konjunkturpaket abzuwarten. Deshalb können wir nicht früh genug mahnen, dass die Wirkung der Pakete auch verpuffen könnte, wenn nicht schnell genug gehandelt wird. Gerade bei den kleineren Aufträgen brauchen wir die Ausschreibungen nicht erst in der zweiten Jahreshälfte oder im nächsten Jahr, sondern jetzt.

Wie groß ist die Gefahr eines Strohfeuers?

Diese Gefahr besteht bei Konjunkturprogrammen immer. Die öffentliche Hand verschuldet sich immens. Irgendwann wird sie das so nicht weitermachen können. Dann besteht die Gefahr, dass begonnene Investitionen nicht mehr fortgeführt werden. Das wäre gegen alle Vernunft. Wir müssen also schon jetzt darüber nachdenken, wie die Investitionen über das Jahr 2010 hinaus stabilisiert werden.

Hat sich die Stimmung in den Baubetrieben denn gewandelt, seitdem klar ist, dass kräftig investiert wird?

Langfristig kann sich auch die Bauwirtschaft nicht von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abkoppeln. Daher spürt man schon eine gewisse Besorgnis in den Betrieben. Besonders im Wirtschaftsbau gehen die Auftragseingänge seit Monaten deutlich zurück. Unsere Hoffnung ist nun, dass der öffentliche Bau die Rückgänge im Wirtschaftsbau ausgleichen kann.

Was bedeutet das für das Wachstum?


Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr nominal in etwa auf dem gleichen Umsatzniveau bleiben können wie 2008. Das Gleiche gilt für die Zahl der Beschäftigten, die wir bei rund 700 000 halten wollen.

In den USA wurde in dieser Woche ein gigantisches Konjunkturprogramm durchgesetzt, das auch die Bauwirtschaft umfasst. Profitieren deutsche Betriebe davon?

Den deutschen Unternehmen, die in den USA tätig sind, kommt das sicher zugute. Das Gros unserer Mitgliedsunternehmen ist jedoch nicht außerhalb von Europa tätig; für die ist das nicht bedeutsam. Für sie ist viel interessanter, dass auch viele andere europäische Länder in ihren Konjunkturprogrammen auf Investitionen in die Infrastruktur setzen. Davon profitieren deutsche Baufirmen ganz sicher.

Experten erwarten, dass die Preise für Bauleistungen in diesem Jahr steigen werden, weil die Betriebe ihre Kapazitäten nicht der gesteigerten Nachfrage anpassen werden.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in diesem Jahr zu einer Überhitzung der Nachfrage kommen wird. Eher im Gegenteil. Wir werden die Aufträge der öffentlichen Hand ohne Weiteres bewältigen können. Die Chance für Betriebe, die Preise zu erhöhen, ist damit gar nicht gegeben.

Trotz staatlicher Hilfen halten sich die Banken derzeit bei der Kreditvergabe zurück. Auch bei Ihren Betrieben?

Bei der Finanzierung von Betriebsmitteln kann von einer Kreditverweigerung keine Rede sein. Wo wir eher Schwierigkeiten sehen, ist bei der Projektfinanzierung. Es kommt vor, dass Projekte wegen mangelnder Finanzierung nicht mehr zustande kommen. Das sind gewerbliche Projekte oder auch öffentlich-private Partnerschaften (PPP). Die Zahl der Banken, die solche Projekte finanzieren, nimmt deutlich ab. Zugleich schrumpft die Summe der bereitgestellten Gelder, weil die Banken Probleme bei der Refinanzierung haben.

Wo sehen Sie einen Ausweg?

Die Bundesregierung will ihre Kredit- und Bürgschaftsprogramme ausweiten ...

... Sie meinen den Rettungsschirm über 100 Milliarden Euro für Unternehmen ...

... den könnte man beispielsweise auch für wichtige PPP-Projekte nutzen. Das wäre ein Signal für die Banken, ebenfalls mitzumachen. Natürlich darf das nur vorübergehend passieren.

Sie begrüßen demnach die Hilfen?


Für die Banken, ja.

Und für Konzerne wie Opel oder Schaeffler/Conti?


Die Hypo Real Estate oder andere Banken stellen systemische Probleme dar, die teils die ganze Weltwirtschaft ins Verderben führen können. Opel ist dagegen – wenn auch ein sehr wichtiges – kein systemisches Problem. Da muss man noch mal genau hinschauen, bevor man investiert. Grundsätzlich gilt aber: Wo schlecht gewirtschaftet wird und nichts zu retten ist, da sollte man auch kein Geld reinstecken.

Das Gespräch führte Yasmin El-Sharif.

ZUR PERSON

DER MANAGER

Herbert Bodner steht seit Anfang 2009 an der Spitze des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB). Der 61-Jährige folgte Hans-Peter Keitel, der zum Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) wechselte. Bodner ist Österreicher und hat in Stuttgart Bauingenieurwesen studiert. Seit 1999 ist er Chef des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger Berger.


DER VERBAND

Der HDB vertritt die Interessen von 3000 großen und mittelständischen Bauunternehmen. Im Bauhauptgewerbe arbeiten rund 700 000 Beschäftigte. Zählt man Zulieferer und das Bauhandwerk hinzu, sind es über eine Million.

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