Interview : "Es gibt einen florierenden Datenhandel“

Der Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Peter Schaar, erklärt, dass der Skandal um die geklauten Bankdaten absehbar war und wie sich weitere Fälle verhindern lassen.

Schaar
Der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar. -Foto: dpa

Herr Schaar, wie unsicher leben Bankkunden heute?

Sehr viel unsicherer als früher. Das kommt daher, dass wir heute überall dazu veranlasst werden, unsere persönlichen Daten preiszugeben. In zu vielen Fällen ist man von der Überweisung zur Abbuchung übergegangen – ob das die Miete oder der Kindergartenbeitrag ist. Alle diese Stellen verfügen demnach über unsere Kontodaten. Aber je breiter die Daten verteilt sind, desto größer ist die Gefahr, dass sie in falsche Hände geraten.

Der aktuelle Datenmissbrauch in Schleswig-Holstein war demnach absehbar?

Ich warne ja schon lange davor, dass zu viele Daten von uns im Umlauf sind. Das hat zur Folge, dass es einen florierenden Handel mit diesen Daten gibt.

Wie lassen sich weitere Fälle verhindern?

Wir brauchen schärfere Kontrollen. Die Banken müssen ihrer Gewährleistungspflicht nachkommen. Sie müssen überprüfen, ob eine Abbuchung überhaupt berechtigt ist. Den Banken muss doch auch auffallen, wenn vermehrt Geld von mehreren ihrer Kunden immer auf ein und dasselbe Konto eines möglichen Betrügers fließt.

Reicht es aus, wenn die Banken sich selber zu stärkeren Kontrollen verpflichten?

Wir brauchen ein Gesetz, das die Informationspflicht der Unternehmen regelt. Wenn also ein Unternehmen erfährt, dass Kundendaten außer Kontrolle geraten sind, müssen sie dazu verpflichtet werden, ihre Kunden zu informieren.


Peter Schaar ist seit Dezember 2003 Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Das Gespräch mit dem gebürtigen Berliner führte Yasmin El-Sharif.

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