Interview : „Man muss um die Jobs kämpfen“

Wolf: In Berlin geht es um 5000 Arbeitsplätze.

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Foto: Mike Wolff

Herr Wolf, wie wichtig ist Karstadt für Berlin?



Karstadt ist aus zwei Gründen wichtig für Berlin. Es geht um rund 5000 Arbeitsplätze in Berlin, um die muss man kämpfen. Zum anderen sind Kaufhäuser wichtige Anziehungspunkte in den innenstädtischen Einkaufszentren. Wenn die Kaufhäuser verschwänden, wäre das schlecht für die Stadtstruktur.

Wäre Berlin bereit, der Karstadt-Mutter Arcandor zu helfen?

Zunächst müssen die Eigentümer, die Familie Schickedanz und die Bank Sal. Oppenheim, ihren Beitrag leisten. Das sind ja nicht gerade die Ärmsten der Armen. Dann erwarte ich, dass sich die Banken, von denen sich Arcandor Geld geliehen hat, bewegen. Immerhin sind darunter mit der Commerzbank und der Bayerischen Landesbank Institute, die ihrerseits Staatshilfen bekommen haben. Und auch die Royal Bank of Scotland ist ja inzwischen eine Staatsbank. Voraussetzung jeder Staatshilfe ist, dass sich die Eigentümer ihrer wirtschaftlichen Verantwortung stellen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass im Vorfeld des Wahlkampfs die Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Arbeitsplätze bei Arcandor benutzt werden, um Druck auf die Politik zu machen und möglichst viel Staatsknete für die Eigentümer abzugreifen.

Wie würde sich ein Zusammenschluss von Metro und Arcandor, also von Kaufhof und Karstadt, auf Berlin auswirken?

In Berlin wäre das weniger problematisch. Galeria Kaufhof ist nur im Osten der Stadt vertreten, Karstadt im Westen. Die Standorte in Berlin ergänzen sich. Im Bundesgebiet ist das schon schwieriger. Dort gibt es zahlreiche Standorte, an denen sich Galeria Kaufhof und Karstadt Konkurrenz machen. Wenn es zu einer Fusion kommt, muss die Politik darauf hinwirken, dass der Erhalt der Arbeitsplätze und die Entwicklung der Standorte berücksichtigt werden. Es darf keine Rosinenpickerei auf Kosten der Beschäftigten geben.

Haben Warenhäuser eine Zukunft?

Ja, die Kaufhäuser müssen mit der Zeit gehen, aber sie sind keinesfalls ein Auslaufmodell.

Harald Wolf ist Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen sowie Bürgermeister von Berlin. Wolf gehört dem rot-roten Senat seit 2002 an. Er ist Mitglied der Partei „Die Linke“

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