Interview mit Audi-Vertriebsvorstand Luca de Meo : "Audi und Film passen perfekt zusammen"

Luca de Meo, Vertriebsvorstand der VW-Tochter, spricht im Tagesspiegel-Interview über das Engagement bei der Berlinale, künftige Investitionen in Berlin und das Autohaus der Zukunft.

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Luca de Meo. „Wir wollen einen Beitrag zur Entwicklung der Kultur in dieser Stadt leisten.“
Luca de Meo. „Wir wollen einen Beitrag zur Entwicklung der Kultur in dieser Stadt leisten.“Foto: Markus Mechnich

Herr de Meo, Berlin soll "Audi-Hauptstadt" werden. Warum ausgerechnet Berlin, wo es weit weniger Autos pro Kopf gibt als in anderen Metropolen?

Ich habe hier für einige Jahre gelebt und weiß, was diese Stadt alles zu bieten hat. Berlin ist eine internationale, vielfältige und kreative Stadt. Ich mag Bewegung und Veränderung, deshalb arbeite ich für Audi – und deshalb setzt Audi auf Berlin. Es ist für uns wichtig, dass wir in einer der innovativsten Metropolen der Welt zu Hause sind. Deshalb haben wir hier seit 2008 etwa 50 Millionen Euro investiert.

BMW und Mercedes sind schon länger hier zu Hause und haben sich breitgemacht. Ist da noch genug Platz für Audi?

Audi passt wie keine andere Marke nach Berlin und wir sehen viele Möglichkeiten, unsere Position in der Hauptstadt zu stärken. Unser Engagement als Partner der Berlinale zeigt, dass wir auch einen Beitrag für die Entwicklung der Kulturszene in dieser Stadt leisten wollen.

Trotzdem ist im Audi-Zentrum Berlin ein Millionenverlust aufgelaufen.

Unsere Investitionen vor Ort beweisen, dass unser Engagement langfristig ausgerichtet ist. Berlin ist ein Schaufenster für die Innovationskraft unseres Unternehmens und die Verkaufszahlen machen deutlich, dass die Hauptstadt ein sehr interessanter Markt für uns ist. Wir verkaufen hier rund 5000 Autos im Jahr. 2013 haben wir unseren Marktanteil weiter gesteigert und erstmals BMW überholt.

Der VW-Konzern hat eine neue Geschäftsführung installiert. Machen Sie jetzt mehr Druck auf die Berliner?

Es gab die einvernehmliche Entscheidung, den nächsten Schritt in unserem Berlin-Engagement mit einer neu besetzten Geschäftsführung zu gehen. Fakt ist, dass wir in Berlin schon heute erfolgreich unterwegs sind und die Basis gelegt haben, um unsere Position in der Hauptstadt weiter auszubauen.

Audi hat BMW nach vier Jahren als Berlinale-Sponsor abgelöst. Wie lange läuft Ihr Vertrag?

Wenn wir uns als Partner engagieren, dann tun wir das langfristig. Dieter Kosslick und sein Team machen eine exzellente Arbeit mit der Berlinale. Sie wollen wir in den kommenden Jahren begleiten.

Zahlt sich das Engagement in der Filmbranche bei den Autoverkäufen aus?

Engagements wie hier bei der Berlinale sind eine Investition in unsere Marke. Dass eine starke Marke unternehmerischen Erfolg beflügelt, zeigt die Entwicklung von Audi in den vergangenen Jahren. Für uns ist bei Projekten wie der Berlinale entscheidend, dass wir nur Dinge tun, die authentisch sind, weil sie zu Audi passen. Und Audi und der Film passen perfekt zusammen. Audi fördert seit 50 Jahren Kultur und ist seit vielen Jahren auch in Hollywood aktiv. Science-Fiction zum Beispiel bietet die Möglichkeit, Automobildesign von morgen zu denken. Mit dem Audi RSQ hatten wir im Film „I, Robot“ das erste Auto, das exklusiv für einen Film entwickelt wurde.

Audi hat diese Woche in Berlin die dritte „Audi City“ eröffnet, ein digitales Autohaus. Nach der "Audi City"-Eröffnung in London sind die Verkäufe um 70 Prozent gestiegen – schaffen Sie das auch in Berlin?

"Audi City" ist für uns ein Weg in den Automobilvertrieb der Zukunft. Wir kombinieren hier das Beste aus zwei Welten: die persönliche Beratung aus dem klassischen Autohaus mit neuen digitalen Technologien und Möglichkeiten. Der Erfolg unserer ersten Standorte in London und Peking ist eine tolle Bestätigung, und natürlich haben wir uns auch für Berlin Ziele gesetzt. Wichtiger ist für mich aber noch, dass wir "Audi City" als eine Art Innovationslab nutzen, um einige dieser digitalen Technologien Schritt für Schritt auch zu unseren Händlern in das ganz normale Autohaus zu bringen.

Glauben Sie, dass Audi-Kunden darauf verzichten wollen, sich in ein Auto zu setzen, die Lederausstattung zu riechen, die Türen zufallen zu hören?

Das reale Erleben wird immer wichtig bleiben. Mit „Audi City“ können wir dank digitaler Technologien zum ersten Mal unsere wachsende Modellpalette vollständig zeigen. Einschließlich aller Sonderausstattungen sind das mehrere hundert Millionen Kombinationsmöglichkeiten, die sich in einem normalen Autohaus natürlich gar nicht zeigen lassen. Wir bringen dem Kunden auch ein Auto zur Probefahrt, das er anfassen, riechen, hören und natürlich fahren kann.

Weltweit liegt Audi hinter BMW, aber vor Mercedes. Mit vielen neuen Modellen holt Mercedes aber mächtig auf. Liegen Sie Ende 2014 noch vor den Stuttgartern?

Wir liegen mit Audi sehr erfolgreich im Rennen: 2013 haben wir bereits zwei Jahre früher als geplant unser strategisches Zwischenziel von 1,5 Millionen Verkäufen erreicht, das wir uns erst für 2015 gesetzt hatten. Unsere nächste Zielmarke lautet, bis 2020 im weltweiten Premiummarkt die Nummer eins mit zwei Millionen verkauften Autos zu sein.

Berlin ist die Stadt des Carsharings. Warum macht Audi da nicht mit?

Wir glauben, dass wir die besonderen Bedürfnisse von Kunden, die ein Premiumautomobil fahren wollen, mit anderen Konzepten besser erfüllen können. Ein Beispiel ist „Audi select“. Hier fährt der Kunde weiterhin sein persönliches Auto, er kann aber gegen eine feste monatliche Rate zwischen bis zu drei unterschiedlichen Modellen im Jahr wechseln.

In Ihrer Zeit bei Fiat waren Sie maßgeblich am Erfolg des Fiat 500 beteiligt. Haben Sie daraus etwas für Audi gelernt?

Der Fiat 500 ist eine kulturelle Ikone in meinem Heimatland. Sie ist nach wie vor erfolgreich. Audi ist eine andere Welt, das ist die Champions League der Automobilindustrie. Vielleicht bringe ich eine bestimmte Sensibilität für bleibende Werte mit. Deshalb fasziniert mich der Audi Urquattro so sehr, er ist eine deutsche Auto- Ikone und prägt die Marke Audi seit jeher.

Das Gespräch führten Markus Mechnich und Henrik Mortsiefer.

DER MANAGER

Luca de Meo (46) ist seit 2012 Vertriebs- und Marketingvorstand bei Audi. Der gebürtige Mailänder war zuvor für das Marketing des VW-Konzerns verantwortlich. Nach Stationen bei Renault und Toyota war er von 2002 bis 2009 in verschiedenen Funktionen bei Fiat tätig – unter anderem als Marketingvorstand und Chef der Marke Alfa Romeo.

DER KONZERN

Audi hat 2013 weltweit 1,57 Millionen Autos verkauft. Die Ingolstädter VW-Tochter liegt damit hinter BMW und knapp vor Mercedes. Am 10. März wird Audi seine Geschäftszahlen für 2013 veröffentlichen.

Die großen Vier hängen alle ab
Der VW Golf als Verkaufsschlager - statt Leser-Votings braucht es da nur einen Blick auf die Neuzulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes 2013, um zu erkennen: Der Wolfsburger war auch im letzten Jahr Liebling der deutschen Autokäufer, führte die Statistik mit 244 249 Verkäufen segmentübergreifend mit weitem Abstand an. Auch auf den folgenden Plätzen landen erwartungsgemäß die großen Hersteller.Weitere Bilder anzeigen
1 von 46Foto: promo
04.02.2014 14:18Der VW Golf als Verkaufsschlager - statt Leser-Votings braucht es da nur einen Blick auf die Neuzulassungsstatistik des...

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