Interview mit Gardena-Chef : „Der Mähroboter kommt“

Tobias M. Koerner verantwortet hierzulande den Vertrieb von Gartengeräten der Marken Gardena und Husqvarna. Er sagt, warum er so viele Heckenscheren im Sortiment hat und warum der Bierdosenhalter am Rasenmäher keine große Zukunft hat.

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Foto: Gordan Gledec Fotolia

Herr Koerner, allein Ihre Marke Gardena hat neun verschiedene Heckenscheren im Sortiment. Warum so viele?
Weil der Trend zu kabellosen Geräten mit Akkus geht, bieten wir fast jedes einmal mit und einmal ohne Netzkabel an. Dann gibt es günstigere Einsteigermodelle und solche für eher professionelle Anwender. Einige haben einen drehbaren Messergriff, andere eine Teleskophalterung. So kommt es zur Vielfalt.

Ihr Konzern vertreibt auch Geräte über die Marken Husqvarna und McCulloch. Wie trennen Sie die voneinander?

Die kommen sich kaum ins Gehege. Gardena richtet sich an Hobbygärtner mit Einfamilienhaus oder Balkon. Husqvarna-Geräte vertreiben wir ausschließlich über Fachgeschäfte, also auch an Profis aus Forstbetrieben oder der Landwirtschaft. Die haben ganz andere Ansprüche. Und unsere Marke McCulloch, die ursprünglich aus den USA stammt, soll nun auch hierzulande vor allem Männer ansprechen. Da geht es um Geräte wie Traktoren, Aufsitzrasenmäher mit Bierdosenhalter, Kettensägen – für Jungs, die gern Benzin riechen und schwitzen bei der Arbeit. Das würde nicht zu Gardena passen.

Ihre Geräte sind oft teurer als die der Konkurrenz. Wie rechtfertigen Sie das?

Wir bedienen das Premiumsegment und grenzen uns damit ab von Billiggeräten meist fernöstlicher Herkunft.

Tobias M. Koerner, Vertriebschef der Husqvarna-Gruppe
Tobias M. Koerner, Vertriebschef der Husqvarna-GruppePromo

Aber Sie produzieren doch sicher auch in Asien.

Ja, in zwei Werken in China. Aber nur einen kleineren Teil und hauptsächlich für asiatische Märkte. Alle Scheren und Bewässerungsprodukte zum Beispiel produzieren wir in unseren Werken bei Ulm. Hier findet auch die Endfertigung statt. Die Gruppe hat aber auch Werke in Schweden, Tschechien, England, Italien, Japan, Brasilien und den USA.

Da gäbe es billigere Produktionsländer.

Ja, aber in diesem so wetterabhängigen Geschäft macht es Sinn, möglichst nah an den Zielmärkten zu produzieren. Wenn wir in Deutschland eine Hitzewelle bekommen, hilft es uns wenig, wenn ein Werk in China uns Schläuche per Container schickt, die dann sechs Wochen lang auf See unterwegs sind. Wir müssen flexibel sein. Dazu müssen unsere deutschen Mitarbeiter auch bereit sein, mal auf Sechstagewoche zu gehen und drei Schichten zu fahren.

Wie sehr spüren Sie konjunkturelle Krisen wie jetzt in Europa?

Viel weniger als das Wetter. Außerdem machen es sich Menschen in Krisenzeiten lieber zu Hause im Garten noch schöner und fliegen nicht in den Urlaub.

Das hätte Ihre Branche wohl gern. Aber gibt es den Trend wirklich?

Ja, das ist durch Studien belegt. Überhaupt zieht es Zentraleuropäer immer mehr nach draußen. Die Hersteller von Gartengrills zum Beispiel melden derzeit Absatzsteigerungen von 30 bis 40 Prozent – jährlich. Zudem gibt es ja auch den Trend, dass es jüngere Familien wieder mehr in Kleingartenkolonien zieht.

Und was ist mit den Älteren?

Die sind heute aktiver als früher. Da reagieren wir, indem wir etwa unsere Schlauchwagen so gestalten, dass man sich nicht so oft bücken muss. Oder mit unserer Teleskopheckenschere, mit der man nicht so oft auf die Leiter steigen muss. Auch bei unseren Astscheren mit Getriebeübersetzung erfordert das Bedienen 35 bis 40 Prozent weniger Kraftaufwand. Das schätzen auch Jüngere.

Gibt es auch regionale Unterschiede im Kaufverhalten?

Historisch bedingt: Die Gestaltung privater Gärten kam Ende des 19. Jahrhunderts mit der Industrialisierung Europas auf. Menschen wollten sich bei einer immer schmutziger werdenden Umwelt ein Stück Natur ins Private zurückholen. Und ehemalige Landarbeiter, die in Fabriken schufteten, suchten sich auch in Städten kleine Gärten, um das Nötigste anzubauen. So sind Deutschland, Großbritannien und Frankreich starke Märkte, ebenso Länder, in denen viele Nachfahren leben: USA, Kanada, Australien und Südafrika. Auch Osteuropa ist ein guter Zukunftsmarkt.

Und wo läuft es weniger gut?

In Spanien und auch in südamerikanischen Ländern zum Beispiel. Spanien war nie stark industrialisiert und körperliche Arbeit ist dort eher verpönt. Also beauftragt man dort noch heute mehr Profis, den Garten zu machen.

Was ist das neue große Ding?

Der Mähroboter kommt! Das wird ein Riesenmarkt. Unsere Geräte fahren allein durch den Garten und finden allein zurück zur Ladestation.

Dann stirbt aber Ihr Bierdosenhalter am Rasenmäher.

Das Bier kann man dann ja selber halten.

Tobias M. Koerner (45) steuert von Ulm aus den Vertrieb der schwedischen Husqvarna-Gruppe für Deutschland, die Schweiz, Österreich und Slowenien. Zudem ist er bei Gardena Deutschland-Chef. Husqvarna mit Deutschlandsitz in Ulm ist weltweit einer der größten Hersteller von Gartengeräten. Hierzulande beschäftigt der Konzern rund 1600 Mitarbeiter. Seit Ende 2006 gehört auch die Marke Gardena dazu, die 2011 ihren Marktanteil in Deutschland leicht auf 38,4 Prozent steigerte. Ebenfalls vertrieben werden die Geräte der Marke McCulloch.

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