Interview mit Norbert Bensel : „Wir sind auf Streiks vorbereitet“

Die Tarifauseinandersetzung bei der Bahn eskaliert. Am Morgen standen die S-Bahnen in Berlin und Hamburg still. Norbert Bensel, Logistik-Vorstand bei der Bahn, im Interview.

Herr Bensel, die Gerichte könnten den Lokführern Ende der Woche noch Streiks erlauben. Sind Sie vorbereitet?

Im Lagezentrum wird rund um die Uhr gearbeitet. Wir haben einen Notdienstplan, um Personalausfälle aufzufangen. Wir werden alles tun, um im Streikfall zumindest die Züge zu fahren, die zur Versorgung von Kraftwerken und Fabriken notwendig sind.

Bei der Bahn gibt es viele neuralgische Punkte. Die GDL könnte mit wenig Aufwand den gesamten Verkehr blockieren...

Ich gehe nicht davon aus, dass sie es tun wird. Sie muss auf die Verhältnismäßigkeit ihrer Streiks achten. Aber schon die Ankündigungen schaffen Unsicherheit bei unseren Kunden, die sich nach Alternativen umsehen. Bisher hat noch keiner seine Aufträge storniert. Bei Streiks kann das aber sehr schnell gehen.

Könnten Sie Verkehr auf ihre Tochter Schenker und auf die Straße verlagern?

Das ist nur begrenzt möglich. Es gibt kaum freie Kapazitäten.

Bislang wollten Sie neue Lokführer einstellen. Gilt das noch?

Ja, es gibt keinen Einstellungsstopp. Der Schienengüterverkehr wächst zum Glück seit drei Jahren wieder. Die Wende ist geschafft. Wir müssen aber abwarten, was beim Tarifkonflikt herauskommt, – und dann nochmal nachdenken.

Die Fragen stellte Bernd Hops.

Norbert Bensel (59)

ist seit 2005 Vorstand für Transport und Logistik bei der Deutschen Bahn. Zuvor verantwortete er das Personalressort des Konzerns.

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