Interview mit Ralph Weyler : „In China wollen wir 200.000 Audi verkaufen“

Audi-Vorstand Ralph Weyler im Interview über den Trend zum Premiumauto und den schwachen deutschen Markt.

Alfons Frese
Ralph Weyler
Foto: ddp

Herr Weyler, wie viel Stück des neuen Coupés A5 wollen Sie pro Jahr verkaufen?

Wenn das Auto in allen wichtigen Märkten verfügbar ist, etwa 50 000 im ersten vollen Jahr. Wir führen jetzt am Wochenende den A5 in Deutschland, Österreich und in der Schweiz ein und dann geht es sukzessive in anderen Märkten weiter.

Bei der Vorstellung des A5 hier in Berlin haben Sie gerade weitere neue Autos angekündigt. Was kommt als nächstes?

Wir haben eine ambitionierte Zielsetzung, indem wir unsere Verkäufe bis 2015 um mehr als 50 Prozent auf 1,5 Millionen Fahrzeuge steigern wollen. Dazu bringen wir eine Vielzahl neuer Modelle und Derivate auf den Markt.

In diesem Herbst der neue A4?

Das bestätigen wir nicht.

Und im nächsten Jahr ein A3 Cabrio?

Ja. Dazu kommt noch ein kleiner Geländewagen, der Q5. In Aussicht gestellt haben wir ferner einen kleinen Audi, einen A1, der in Brüssel gebaut werden wird.

Warum ist Audi derzeit die Marke, die am stärksten wächst, wie Sie sagen?

Es gibt einen weltweiten Trend hin zu Premiumfahrzeugen von dem auch wir profitieren. Audi wächst aber darüber hinaus überproportional; auch, weil wir noch Aufholbedarf haben. Und die Marke insgesamt hat ein Beschleunigungspotenzial bekommen durch das zunehmende Image auf den Weltmärkten.

Auf dem deutschen Markt fallen sie allerdings auch zurück.

Unser Absatz ging hier in den ersten fünf Monaten um 2,6 Prozent zurück, das war aber deutlich weniger als der Gesamtmarkt. Und im April und Mai konnten wir schon wieder zulegen. Eigentlich müsste die Nachfrage bald weiter anspringen, denn die Effekte der Mehrwertsteuererhöhung sind inzwischen weitgehend verdaut.

Der westeuropäische Markt wird vermutlich in den kommenden Jahren stagnieren. Wo wollen Sie die zusätzlichen 500000 Audi bis 2015 verkaufen?

Auch in gesättigten Märkten legen wir noch zu, zum Beispiel in Großbritannien zuletzt im Mai um 26,5 Prozent. Die osteuropäischen Märkte wachsen, in Russland haben wir einen Zuwachs um 77,5 Prozent in den ersten fünf Monaten. In den USA sind wir noch nicht so stark, da wollen wir Stück für Stück an die Wettbewerber herankommen. Und in China möchten wir das Volumen langfristig auf 200 000 Audi pro Jahr verdoppeln.

Was haben Sie in den USA vor, dem mit Abstand größten Markt der Welt?

In den ersten fünf Monaten haben wir ein Wachstum von 17 Prozent, im Mai waren es 23,4 Prozent – das ist schon mal ziemlich gut. Und dann geht es nur mit herausragenden Produkten mit faszinierendem Design weiter. Den Q7 haben wir jetzt seit einem Jahr im Markt. Man muss sich bekannt machen, und das ist in den USA mit riesigem Aufwand verbunden. Deshalb haben wir uns zunächst auf die 25 größten Metropolen konzentriert.

Wie viele Autos setzen Sie ab in den USA?

Im letzten Jahr haben wir etwas über 90000 verkauft und orientieren uns 2007 in Richtung 100 000, darunter etwa 25 000 Q7. 2015 wollen wir dann 200 000 Audi in den USA verkaufen.

Sind dabei auch Diesel im nennenswerten Umfang, oder lassen die Amerikaner weiter die Finger davon?

Amerikaner haben bei Diesel die Vorstellung von Lastwagen im Kopf. Wenn man substantiell Treibstoff sparen will, dann kommt man um einen Diesel nicht vorbei. Hybrid spielt dabei unseres Erachtens eher eine untergeordnete Rolle. Hätten die USA denselben Dieselanteil wie wir in Europa, dann wäre die Einsparung so groß, dass sie kein Öl mehr aus dem Mittleren Osten importieren müssten.

Es gibt aber auch einen Audi-Hybrid.

Ja. Vom nächsten Jahr an haben wir einen Q7 mit Hybridantrieb im Angebot.

Das Gespräch führte Alfons Frese.

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