Interview : "Die Finanztransaktionssteuer zahlen die privaten Anleger"
23.06.2012 13:18 UhrMit welchen Verlusten müssen die Anleger dieser Fonds rechnen?
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will eine Koalition der Willigen schmieden - Länder, die die Steuer vor allen anderen einführen. Darunter soll auch Deutschland sein. Werden deutsche Fonds dann nach Luxemburg abwandern?
Das kann schon sein. Luxemburg wird die neue Steuer nämlich bestimmt nicht einführen. Wenn ausländische Fonds nicht besteuert werden, deutsche aber schon, dann ist das eine Benachteiligung der deutschen Fonds und eine Schwächung des Standorts Deutschland.
Wie viel Geld steckt derzeit in deutschen Investmentfonds?
Über 1,8 Billionen Euro, davon 700 Milliarden Euro in Publikumsfonds, die überwiegend von Privatanlegern gekauft werden. Davon sind 320 Milliarden Euro in deutschen und der Rest in ausländischen, vor allem luxemburgischen Fonds.
Wirkt sich die Euro-Krise auf die Geldanlage Ihrer Kunden aus?
Ja, wir hatten zwei Jahre, in denen es unter dem Strich Abflüsse aus Publikumsfonds gab – 2008 nach der Pleite von Lehman und 2011. Letztes Jahr haben Privatanleger fast 17 Milliarden Euro abgezogen, weil sie das Vertrauen in die Finanzmärkte verloren haben. Dafür haben aber institutionelle Anleger über 45 Milliarden Euro zusätzlich in Investmentfonds investiert.
Viele Fondsanleger haben auch das Vertrauen in Immobilienfonds verloren. Die Fonds galten als sichere Geldanlage, jetzt werden zwei der Großen, der SEB Immoinvest und der CS Euroreal, abgewickelt. Wie viele Immofonds wird es noch erwischen?
Wir sind jetzt aus dem Gröbsten raus. Zumal die Anleger wieder Vertrauen fassen und das Produkt nachfragen. Sie haben im laufenden Jahr per saldo für rund 1,5 Milliarden Euro offene Immobilienfonds gekauft. Die neuen gesetzlichen Vorgaben sehen Kündigungsfristen vor. Das ist ein deutlicher Fortschritt, denn damit werden die institutionellen Anleger aus den Fonds rausgehalten. Das ist gut. Das Problem der Fonds, die eingefroren werden mussten, war ja, dass Großanleger sehr schnell sehr viel Geld abzogen, das hatte die Fonds überfordert.
Mit welchen Verlusten müssen die Anleger dieser Fonds rechnen?
Das lässt sich nicht voraussagen. Die Wertentwicklung hängt davon ab, wie sich der Immobilienmarkt entwickelt. Die genannten Fonds haben fünf Jahre Zeit, ihre Immobilien zu veräußern. Sie müssen also nicht übereilt und zu jedem Preis verkaufen.










